• Laura Enderlin

Ecuadors Hauptstadt und längere Verschnaufpause

Nach drei Wochen war es an der Zeit sich von den Galapagos Inseln zu verabschieden. Da uns fast schon Schwimmhäute gewachsen waren, freuten wir uns auf die höchste Hauptstadt der Welt mitten in den Bergen. In Quito angekommen bekamen wir die knapp 3.000 Höhenmeter auf denen wir uns befanden auch direkt zu spüren: jede Treppe brachte uns zum Schnaufen. Durch seine hohe Lage zwischen Bergen und Vulkanen, zieht sich Quito enorm in die Länge. Die Hänge entlang des Tals sind auf beiden Seiten dicht bebaut. Unser Hostel befand sich direkt am Ende des Centro Historico, der als Weltkulturerbe anerkannten Altstadt. Nirgends sonst auf der Welt sind so viele Gebäude aus der Kolonialzeit so gut erhalten, dazu kommen mehr als 30 Kirchen die dieses Stadtviertel schmücken. Die ersten Tage hatten wir leider mit dem Wetter kein Glück und verbrachten daher viel Zeit im Hostel und bestellten sogar Essen über UberEats um das Haus gar nicht erst verlassen zu müssen. Unsere Motivation etwas zu unternehmen und die Sehenswürdigkeiten zu erkunden hielt sich leider auch weiter in Grenzen, daher beschlossen wir nach Quito eine kleine Auszeit vom Reisen zu nehmen. Wir hatten das Gefühl immer noch mit den vielen Eindrücken von Galápagos beschäftigt zu sein und überhaupt nicht wertschätzen zu können, wo wir uns eigentlich gerade befanden. Nach ein bisschen Recherche wurden wir auf Workaway, einer Plattform für Freiwilligenarbeit, fündig und vereinbarten die nächsten drei Wochen in der Wohngemeinschaft „Las Palmas“ an der Küste auszuhelfen.

Mit diesem Plan vor Augen wollten wir die Tage in Quito bis zu unserer Abreise dann doch noch nutzen und machten eine Free-Walking-Tour, fuhren mit der Seilbahn auf den Hausberg der Stadt und zu „Mitad del Mundo“, der Ort in Quito an dem die Äquatorlinie die Nord- und Südhalbkugel voneinander trennt.

Insgesamt verbrachten wir etwa eine Woche in Quito und machten uns dann auf den Weg in unser neues Zuhause an der Küste. Für 15 Stunden Garten- und Hausmeisterarbeit pro Person pro Woche durften wir umsonst in einem kleinen Häuschen direkt am Meer wohnen. Nach einem langen Tag im Bus kamen wir leider bei grauem Himmel und Nieselregen dort an, was unserer Vorfreude doch einen kleinen Dämpfer verpasste. Auch als uns unsere Gastgeberin das kleine Häuschen zeigte, wurden wir leider nicht gerade positiv überrascht. Die letzten „Workawayers“ waren schon einige Wochen zuvor abgereist und in der Zwischenzeit hatte sich keiner um das Häuschen gekümmert. Die nächsten Tag waren wir also erst mal damit beschäftigt, die komplette Bude durch zu putzen um uns ein bisschen wohler zu fühlen.

Das Gelände besteht aus circa 30 Grundstücken, wovon bisher allerdings nur etwa 10, hauptsächlich von Nordamerikanern, bewohnt werden. Die Anlage befindet sich etwa 4 Kilometer vom kleinen Fischerdorf Puerto Cayo entfernt. Um in einen größeren Ort mit richtigem Supermarkt zu kommen, muss man circa 30 Minuten mit dem Bus fahren. Perfekt also für eine kleine Auszeit vom Reisen.

Die ersten Tage mussten wir mit einer Handvoll Lebensmittel auskommen. Auf dem Speiseplan stand daher lediglich Nudeln mit Tomatensoße oder Bratkartoffeln.

Zwei mal wöchentlich kommt ein Gemüse und Obst Wagen vorbei, was für uns jedes Mal wieder ein kleines Highlight war. Unfassbar wie sehr man sich über Obst, Gemüse und sogar Eier und Käse freuen kann! Wir genossen es die Rucksäcke eine Weile nicht packen zu müssen und auch mal etwas aufwändiger zu kochen. Ich habe mich vor allem über den funktionierenden Ofen gefreut und den ein oder anderen Kuchen gebacken. Neben unseren Aufgaben wie die Anlage sauber zu halten und diverse Gartenarbeiten zu erledigen, stand vor allem der Strand im Mittelpunkt. Jeden Tag wird hier eine große Menge Plastikmüll angespült. Als wir zum ersten Mal dort standen, traf uns der Schlag. Niemand reinigt oder säubert den Strand regelmäßig, lediglich bewohnte Strandabschnitte werden von den Anwohnern aus eigenem Interesse hin und wieder aufgeräumt. Mit Müllsäcken und Eimern bewaffnet liefen wir fast täglich unseren Strandabschnitt entlang, um Plastikflaschen, Überreste von Fischernetzen, Zahnbürsten oder Plastikstrohhalme aufzusammeln. An unserer Grundstücksgrenze damit aufzuhören fiel uns ziemlich schwer, da sich die Müllspur schier endlos weiterzog.

An einem unserer freien Tage fuhren wir mit unserer Gastgeberin nach Puerto Lopez. Das kleine Städtchen an der Küste hat wirklich genau die richtige Mischung aus kleinen Cafés und Läden an der Uferpromenade und ist dabei noch ein Geheimtipp. Nach einem sehr leckeren Frühstück ging es zum "Whalewatching" auf eines der vielen Boote. Von Juni bis Oktober ziehen vor der Küste Ecuadors Buckelwale vorbei und kommen zur Paarung und zur Geburt der Kälber auch in die Buchten. Mit etwa 25 Ecuadorianern wurden wir auf das Boot gequetscht und jeder bekam eine Rettungsweste verpasst. Nachdem wir circa 30 Minuten aufs Wasser rausgefahren waren, war es endlich so weit und der erste Buckelwal schlug in der Nähe des Boots mit seiner Schwanzflosse aufs Wasser. Wir freuten uns beide riesig und waren furchtbar aufgeregt was wohl als Nächstes passieren würde. Der Kapitän fragte ob jemand vorne auf den Bug des Boots klettern wollte, und Tizian und ich sprangen beide direkt auf und sicherten uns die besten Plätze ganz vorne. Die nächste halbe Stunde tauchten immer wieder Wale um uns herum auf, teilweise sogar mit Kälbern. Da der Himmel aber leider wieder einmal bewölkt war, waren sie nicht wirklich aktiv und wir mussten uns damit begnügen ihre Rücken beim Auftauchen zu beobachten.

Am Tag darauf, während wir wieder einmal damit beschäftigt waren Müll am Strand aufzusammeln, bekamen wir dafür ein richtiges Spektakel zu sehen. Direkt im Meer vor unserem Strand Abschnitt waren zwei Buckelwal Weibchen mit ihren Babys und hielten eine Art Schulstunde ab. Der Reihe nach übten sie Flossenschläge, erst mit der Seiten- und dann mit der Schwanzflosse. Ich konnte gar nicht genug davon kriegen, ihnen zuzuschauen und war heilfroh, dass Tizian sich darum kümmerte, mit der Drohne ein paar besonders schöne Aufnahmen von oben zu bekommen.

In unserer letzten Woche wartete am Strand eine weitere, dieses Mal leider nicht so schöne, Überraschung auf uns. In der Brandung wurde eine Meeresschildkröte immer wieder mit den Wellen an den Strand gespült. Als wir näher kamen, bemerkten wir eine tiefe Wunde am Kopf der Schildkröte. Da sie immer wieder mit dem Kopf ins Wasser tauchte, hoben wir sie vorsichtig aus dem Wasser und brachten sie an den Strand in Sicherheit. Ich rannte völlig aufgeregt zu unserer Gastgeberin, die zum Glück die Nummer einer lokalen Tierschutzorganisation parat hatte. Nach einer unheimlich langen Stunde Warten kam dann endlich auch einer der Mitarbeiter und lud mit Tizians Hilfe die Schildkröte auf seinen Pickup. Es war wirklich ein schreckliches Gefühl zu sehen wie ein Tier so leidet. Wir wissen nicht woher die Schildkröte die Verletzung hat, es passieren wohl aber öfters Unfälle bei welchen Schildkröten beim Luftholen an der Wasseroberfläche von Schiffsschrauben am Kopf verletzt werden. Wir hoffen sehr, dass unser Schützling noch schnell genug medizinische Versorgung bekommen hat und bald wieder im Meer freigelassen werden kann.

Am Ende der drei Wochen waren wir uns beide einig, dass die Auszeit ihren Sinn definitiv erfüllt hat. Wir sind zur Ruhe gekommen, hatten Zeit um Dinge zu erledigen, die schon lange liegen geblieben waren und haben wieder richtig Lust bekommen unterwegs zu sein und umher zu reisen. Wir konnten es die letzten Tage sogar kaum noch erwarten endlich unsere Rucksäcke zu packen und uns auf den Weg einmal quer durch Ecuador zu machen.





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