• tizianwagner

Galápagos - Lebenstraum & Kopfzerbrechen

Zugegeben wir hatten zwar während unserer Vorbereitungen zu Hause von Galápagos als mögliches Reiseziel gesprochen, aber es aufgrund unseres Budgets so gut wie ausgeschlossen. Deshalb konnten Laura und ich es immer noch nicht richtig fassen, als wir uns durch den Gang des Flugzeuges zu unseren Sitzen durchkämpften. Man konnte wirklich dieses gewisse Knistern spüren und wenn man durch die Reihen in die Gesichter der anderen Passagiere blickte feststellen, dass jeder Einzelne unsere Vorfreude teilte. Ich habe schon immer Natur- und Tierdokumentationen verschlungen und somit war Galápagos schon lange ein Traumziel. Auch für Laura war der "Mythos" Galápagos und dessen entscheidende Rolle für Naturforschung und Charles Darwin's Evolutionstheorie ein "muss man einmal im Leben gesehen haben" Ding. Zudem gilt die Inselgruppe als eines der besten Tauchreviere überhaupt, was einen zusätzlichen Reiz schuf. Durch Gespräche mit anderen Reisenden und eigene Recherchen schien eine Reise dorthin doch nicht mehr unmöglich. Die Flüge waren günstiger als erwartet und Hotelzimmer absolut bezahlbar. Durch die Pandemie ist es außerdem möglich, sich quasi von heute auf morgen zu entscheiden die Inseln zu besuchen, was normalerweise aufgrund der limitierten Besucherzahlen eine Reservierung Monate im Voraus benötigt. Mit etwas Glück kann man aktuell einen "Last-Minute Deal" für eine der berühmt berüchtigten Kreuzfahrten ergattern. "Wann kommen wir nochmal so nah an die Galápagos Inseln." "So eine Weltreise macht man nur einmal." "Für solche Erlebnisse machen wir das Ganze doch."- so oder so ähnlich versuchten wir uns gegenseitig von etwas zu überzeugen was ohnehin schon klar war. Wir fliegen auf die Galápagos Inseln!


Schon am Flughafen in Quito mussten alle Reisenden mit dem Ziel Galápagos an einen extra Schalter. Jeder der das Archipel betreten möchte, muss den Nationalpark Eintritt in Höhe von 100$ und die "Visitor Card" für 20$ bezahlen. Zudem werden Rückflugticket und Unterkunft überprüft und das Gepäck einer zusätzlichen Kontrolle unterzogen. Dieser ganze Aufwand wird betrieben um den Tourismus zu steuern und somit das empfindliche Ökosystem zu schützen. Während des Landeanflugs drückte ich meine Nase am Fenster platt. Die karge Vulkanlandschaft der Insel Baltra auf der wir landeten, umringt von türkisem Wasser und schroffen Felsen, ließen ein Gefühl in uns entstehen als wären wir selbst Forscher auf einer Expedition, um neue Spezies zu entdecken und die Geschichte der Erde besser zu verstehen. 1.000km liegt die zu Ecuador gehörende Inselgruppe vor dem südamerikanischen Kontinent im pazifischen Ozean. Sie besteht aus etwas 130 Inseln unterschiedlicher Größe, wovon nur vier bewohnt sind (fünf, nimmt man Baltra die einen Flughafen beherbergt dazu). Unsere ersten Tage verbrachten wir in Puerto Ayora auf Santa Cruz, der größten Stadt des Archipels. Untergekommen sind wir in einem kleinen Hostel, welches von einer unheimlich hilfsbereiten Familie geführt wird, die uns während der ganzen drei Wochen immer wieder mit Rat und Tat zur Seite stand.


Schon an unserem Ankunftstag machten wir uns auf, die unzähligen Touranbieter nach günstigen Kreuzfahrt-Deals abzuklappern. Gefühlt jeder versprach uns die besten Preise und pries zudem Tages- und Tauchausflüge oder Fähr-Tickets zu den anderen Inseln an. Davon brummte uns schnell der Schädel und wir entschieden uns für eine kleine Pause um den Hafen zu erkunden. Wir hatten zwar erwartet auf Galapagos vielen Tieren zu begegnen aber was wir dort vorfanden überraschte uns trotzdem. Auf den Bänken an den Bootsanlegern machten sich Seelöwen breit um ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: schlafen. An der Hafenpromenade lagen grüppchenweise Meerechsen, die sich auf dem warmen Boden aufwärmten und im Wasser konnte man vom Steg aus farbenfrohe Papageifische, Kugelfische und junge Schwarzspitzen Riffhaie beobachten. Es war unglaublich zu sehen, mit welchem Desinteresse vor allem die Meerechsen und Seelöwen uns Menschen begegnen. Selbst als sich Touristen neben die Seelöwen auf die Bänke setzten, um das bestmögliche Urlaubsfoto zu bekommen, schielten sie nur müde mit einem Auge in deren Richtung, bevor sie mit einem lauten Gähnen wieder einschliefen. Ich muss zugeben, dass man dabei schon in Versuchung kommt, vor allem die kleinen, flauschigen Seelöwen anzufassen - haben wir aber natürlich nicht. 😋

Nach der freudigen Überraschung im Hafen, beschäftigten wir uns wieder mit den Kreuzfahrten. Es gibt im Grunde zwei verschiedene Varianten: Natur- und Tauchkreuzfahrten. Bei den etwas günstigeren Naturkreuzfahrten stehen die einzelnen Inseln und deren Besonderheiten im Vordergrund. Man fährt dabei von Insel zu Insel und erkundet bei Landausflügen Flora und Fauna. Zwischendurch gibt es immer wieder die Möglichkeit zu schnorcheln, um zumindest einen kleinen Einblick in die Unterwasserwelt Galápagos' zu bekommen. Wie der Name schon verrät, steht bei den Tauchkreuzfahrten, auch Liveaboard genannt, das Tauchen im Vordergrund. Man hat hier die exklusive Möglichkeit die beiden abgelegenen und als "Tauch-Mekka" bekannten Inseln, Wolf & Darwin, zu besuchen. Sie liegen ganz im Nordosten der Inselgruppe in etwa 130km Entfernung von den Hauptinseln. Wolf & Darwin stehen unter besonderem Schutz und das Betreten der Inseln ist strengstens verboten. Nur sechs Tauchbooten wurde vom Nationalpark eine Genehmigung für die Tauch-Safaris in den Gewässern rund um die beiden Inseln erteilt. Schon deshalb sind Plätze auf diesen Schiffen normalerweise Monate, wenn nicht Jahre im Voraus ausgebucht und kosten nicht selten mehr als 6.000$.


In einer der Tauchschulen in Puerto Ayora haben wir uns über eine solche Kreuzfahrt für Taucher informiert. Tatsächlich war auf einem der Schiffe, dass in drei Tagen ablegen sollte, noch Platz und uns wurde ein verlockendes Angebot gemacht. Einzig die Anzahl unserer bisherigen Tauchgänge (beide etwa 20 Stück) war zu Beginn ein Problem. Im Normalfall wird eine Mindestanzahl von 100 Tauchgängen vorausgesetzt, da die Tauchreviere weit weg vom Festland und größeren Inseln durch starken Seegang und Strömungen als sehr anspruchsvoll gelten. Nach kurzem hin und her telefonieren teilte uns die freundliche Mitarbeiterin mit, dass sie einen zusätzlichen Tauchlehrer mitnehmen würden, der uns bei den Tauchgängen begleiten sollte.

Als Entscheidungshilfe und um ein Gefühl dafür zu bekommen wie die Bedingungen in Galápagos sein können, entschlossen wir uns, am nächsten Tag einen Tauchausflug zu buchen. Nachdem wir Hammerhaie, Weißspitzen-Riffhaie, Meeresschildkröten, Moränen und unzählige Fische bereits beim Tauchen auf einem Tagesausflug gesehen hatten, stellte sich uns die Frage ob es sich tatsächlich lohnen würde speziell auf eine mehrtägige Tauch-Kreuzfahrt zu gehen. Und welchen Einfluß hätten so hohe Ausgaben für eine Tauch-Safari erst auf unser Reisebudget? Andererseits verpassen wir hier nicht eine riesige Gelegenheit wenn wir nur Tauchgänge von den Hauptinseln aus machen? Nachdem wir alle zwei Minuten unsere Meinung änderten, entschlossen wir mit rauchenden Köpfen zurück in die Tauchschule zu gehen, in der Hoffnung einen ehrlichen Rat zu bekommen. Die Antwort der Mitarbeiterin auf unsere Frage war eindeutig: eine solche Gelegenheit bietet sich wohl nie wieder und die Tauchspots sind einzigartig. Sie bot uns an, nochmal mit dem Veranstalter zu sprechen, um einen weiteren Preisnachlass rauszuholen. Nachdem sie auflegt hatte, verkündete sie uns, dass wir weitere 200$ pro Person weniger bezahlen müssten, wenn wir uns dafür entscheiden.

In diesem Moment verstanden Laura und ich uns blind, wir schauten uns kurz an, grinsten und waren uns einig: wir machen es! Anschließend füllten wir den ganzen Papierkram aus und hüpften fast vor Freude nach Hause. In zwei Tagen sollte es losgehen!


Den Tag vor dem Beginn unseres Abenteuers nutzen wir, um einige der Sehenswürdigkeiten Puerto Ayoras abzuklappern. Nach dem Frühstück ließen wir uns für 1$ pro Person mit einem der Taxiboote zum "Strand der Deutschen" bringen (Playa de los Alemanes). Ein kleiner aber unheimlich schöner Strand an dem wir feststellten wie groß ausgewachsene Meerechsen werden können. Danach ging es weiter zu "Las Grietas", einer durch Vulkanausbrüche entstandene Schlucht gefüllt mit kristallklarem Wasser, die zum Baden oder Schnorcheln einlädt. Zum Abschluss spazierten wir einen Wanderweg entlang durch die karge Vulkanlandschaft zum Playa Tortuga. Einem riesigen Strand, eingefasst von schwarzen Felsen, an dem sich meterhohe Wellen brechen.

In Gedanken waren wir aber die ganze Zeit schon bei unserer Tauchsafari. Nach dem Abendessen packten wir unsere Rucksäcke und versuchten trotz der Aufregung ein Auge zu zu bekommen.





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