• tizianwagner

Laguna de Atitlan & Antigua Teil 2 - Kräfte sammeln für die Revanche

Die regnerische Besteigung des Vulkans Acatenango und die Tatsache, einen feurigen Ausbruch bei Nacht verpasst zu haben, hatte ich als persönliche Niederlage verbucht. Das hatte sich auch unmittelbar auf meine Laune ausgewirkt. Da kam unser Aufenthalt am See Atitlan gerade recht, um etwas Abstand zu gewinnen und uns zu erholen.

Ein Shuttle brachte uns in etwa 2,5 Stunden von Antigua nach Panajachel. Dort angekommen, kletterten wir in eins der unzähligen Taxiboote um an unseren Wunschort, San Pedro, zu gelangen. Schon auf der Fahrt, bei der wir an jedem Bootssteg der kleinen Dörfer rund um den See halt machten, wurde deutlich weshalb dieser Ort bei Besuchern und Einheimischen gleichermaßen beliebt ist. Eingebettet zwischen grünen Hügeln und zahlreichen Vulkanen, liegt der See auf etwa 1.500m Höhe und erinnert an manchen Stellen, durch sein klares Wasser und die steinigen Ufer, an die Küsten Kroatiens oder die der griechischen Ägäis. Wir hatten uns in San Pedro über AirBnb ein kleines Zimmer mit Küche und Bad gemietet, welches uns in der Zeit am See als Rückzugsort und "Basis-Lager" für Erkundungstouren diente. Unsere Vermieter waren Christian, der vor einigen Jahren aus der Schweiz hierher ausgewandert ist, seine aus Guatemala stammende Frau Vivian und ihre zwei und vier Jahre alten Töchter. Wir fühlten uns wahnsinnig wohl und genossen es sehr, Teil der Familie zu sein. Nach anfänglicher Schüchternheit waren die beiden Kleinen äußerst neugierig und es dauerte nicht lange, bis sie uns beim Spielen voll mit einbezogen. Die Sprachbarriere stellte dabei auch keine Probleme dar. Sie plapperten munter auf Spanisch vor sich her und zogen uns an den Händen dorthin, wo sie uns haben wollten.


Die Dörfer rund um den See sind alle sehr unterschiedlich, was dazu führt, dass einem die Ausflugsziele nicht ausgehen. Von anderen deutschen Reisenden hatten wir gehört, dass in Jaibalito ein schwäbischer Auswanderer ein kleines Restaurant betreibt, in dem man Spätzle und Gulasch bekommen kann. Da konnten wir natürlich nicht widerstehen und statteten "Posada Jaibalito" einen Besuch ab. Was soll ich sagen, nach über zwei Monaten hatte ich die deutsche Küche durchaus vermisst und so ließen wir uns beide eine Portion Kässpätzle mit Gulasch schmecken und fühlten uns zumindest kulinarisch etwas zu Hause. Von Jaibalito aus machten wir uns dann zu Fuß auf den Weg durch die Hügel zurück. Unter anderem auch um das wunderschöne Panorama mit der Drohne einzufangen.

Eines der beliebtesten Dörfchen ist San Marcos, ein Sammelbecken für alles mit spirituellem Touch. Schon auf dem gepflasterten Weg vom Bootsanleger hoch ins Dorf, erschlagen einen fast die Holzschilder mit Angeboten für Yoga Retreat, Meditation, Hypnose, Massage und anderem Firlefanz. Eher was für Laura als für mich. Dennoch ist San Marcos absolut einen Besuch wert. Es gibt viele nette Cafés und Restaurants und einen der besten Plätze um im See baden zu gehen. Der "Cerro Tzankujil" ist ein Park auf einer kleinen Landzunge, in dem man für umgerechnet 2€, auf sonnigen Felsen sein Handtuch ausbreiten und von verschiedenen Höhen aus ins kühle Nass hüpfen kann.

Wir nutzten die Zeit am See, nicht zuletzt aufgrund des stabilen Internetanschlusses, um ein paar organisatorische Dinge zu erledigen, wie Fotos und Videos sortieren, beim Blog schreiben aufzuholen und die kommenden Wochen zu planen. Außerdem fassten wir endgültig den Entschluss nach Antigua zurückzukehren, um uns nochmals auf den Acatenango zu wagen. Schließlich hatten wir da noch eine Rechnung offen.


Nach einer Woche, war es dann soweit Abschied von Christian und seiner Familie zu nehmen, die uns durch ihre herzliche und offene Art sehr ans Herz gewachsen waren. In Antigua angekommen, reservierten wir noch am gleichen Abend die Vulkantour beim selben Anbieter wie beim ersten Mal. Wir wurden direkt wieder erkannt und bekamen sogar einen Preisnachlass für unsere Hartnäckigkeit. Die Wetterprognosen waren dieses mal äußerst vielversprechend und so starteten wir voller Zuversicht den zweiten Versuch. Unsere Gruppe war kaum größer als beim letzten Mal und bestand aus acht Personen. Der Aufstieg fiel uns um einiges leichter, da wir von Regen verschont blieben. Am Camp angekommen machte sich aber zunächst Ernüchterung breit. Eine dichte Nebelschicht verdeckte erneut die Sicht auf den Fuego. Grund genug uns erst einmal um unser Gepäck zu kümmern und uns in der kleinen Hütte einzurichten. In der Zwischenzeit hatte unser Guide Jairo ein Feuer gemacht und die uns bekannte Nudelsuppe zubereitet. Während wir uns über den wärmenden Imbiss hermachten, lichtete sich langsam aber sicher der Nebel. Die Dämmerung war mittlerweile fortgeschritten und die Ausbrüche des Fuego waren nun nicht mehr nur dunkle Rauchschwaden. Wir konnten hier und da schon Funken sprühen sehen und die Aufregung ließ uns die fallenden Temperaturen kaum bemerken. Was dann geschah lässt sich kaum in Worte fassen. Mit einem ohrenbetäubenden Knall explodierte die Spitze des Fuego förmlich. Wie angewurzelt standen wir da und sahen zu wie sich die glühende Lava den Weg nach unten bahnte. Genau hierfür waren wir nach Guatemala gekommen. Ein unbeschreibliches Erlebnis, diese so ursprüngliche Naturgewalt mit eigenen Augen zu sehen. Es folgten einige kleinere Ausbrüche bevor die Wolkendecke wieder zuzog, was uns aber nicht sonderlich störte. Für uns hatte sich der erneute Aufstieg definitiv gelohnt und wir konnten das Spektakel in einigen Fotos und Videos festhalten. Zufrieden machten wir uns am nächsten Morgen auf den Rückweg, um im Hostel angekommen, nach einer heißen Dusche ein verdientes Mittagsschläfchen einzulegen.

Die restlichen Tage widmeten wir Antigua selbst und erkundeten das schöne Städtchen und seine Umgebung. Dabei stießen wir auch auf eine kleine Kuriosität von der wir schon gehört hatten. Der Name des "Dorfes" Hobbitenango stammt nicht etwas aus den vergangenen Tagen der Maya, nein, er hat seinen Ursprung tatsächlich aus den Werken "Der Hobbit" und "Der Herr der Ringe" von J.R.R. Tolkien. Eine Hand voll Freunde erschufen diese Sehenswürdigkeit, angelehnt an die Beschreibungen der Hobbit-Höhlen des Auenlandes. Hier kann man den weiten Ausblick über Antigua und die nahegelegenen Vulkane genießen, sich die bewachsenen Häuschen und Höhlen ansehen, allerlei Handwerkskunst bestaunen oder auf der Terrasse einen Kaffee genießen. Für mich als alten Herr der Ringe Fan ein absolutes Highlight. Wir fragten uns zwischenzeitlich wirklich, ob wir gerade in Guatemala sind oder nicht doch am Original Drehort in Neuseeland.


Damit neigte sich unsere Zeit in Guatemala dem Ende zu. Wer hätte gedacht, dass uns dieses Land so in seinen Bann ziehen würde, nachdem wir hier ja doch eher spontan hergekommen sind. Gerne hätten wir noch mehr Zeit hier verbracht um die Pazifikküste und den Dschungel zu erkunden. Es wartete allerdings ein ganz spezielles Reiseziel auf uns, von dem wir beide schon lange träumen...








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