• tizianwagner

Montañita, Cuenca, Riobamba & Baños - von 0 auf über 5.000m

Mit aufgeladenen Batterien und wieder erlangtem Reisefieber machten wir uns auf, den Rest Ecuadors zu erkunden.

Nach drei Wochen Abgeschiedenheit im verschlafenen Puerto Cayo, ließen wir es uns nicht nehmen, auf dem Weg in die Anden, einen Zwischenstopp in Montañita einzulegen, dem Ballermann Ecuadors. Nicht nur ausländische Touristen kommen an diesen Küstenort um zu surfen und zu feiern, sondern auch die Ecuadorianer selbst lassen hier gern die Korken knallen. Ein Wochenende lang mischten wir uns unter die Feiernden und schlürften zum Vorglühen Cocktails in den kleinen Bretterbuden am Straßenrand, um dann durch die Clubs zu ziehen. Zwei Tage waren dann aber mehr als ausreichend um unser Bedürfnis nach Party zu stillen, vor Allem weil wir aufgrund von schlechtem Wetter nicht viel mehr machen konnten.


Der nächste Halt war dann Cuenca, die drittgrößte Stadt Ecuadors. Sie liegt im Süden des Landes mitten in den Anden. Sechs Stunden dauerte die Busfahrt dort hin und wir haben uns direkt bei der Ankunft in die Stadt verliebt. Vor der historischen Altstadt, die auf einer kleinen Anhöhe liegt, verläuft malerisch ein kleiner Fluss, der auch die Grenze zum modernen Teil der Stadt darstellt. Die Parkanlagen und Plätze werden pingelig gepflegt und sauber gehalten und überall gibt es freien WLAN Zugang. Diese Mischung aus Geschichte und Moderne, aus den Einflüssen der lokalen indigenen Bevölkerung, den Inka und den spanischen Eroberern macht Cuenca zu einem bezauberndem Ort voller Lebensqualität. Viele Restaurants, Cafés und Bars locken zudem junge Menschen und Studenten in die Stadt. Wieder einmal ließen wir uns durch eine "Free-walking Tour" durch die Stadt führen, um uns einen Überblick zu verschaffen. Dabei besuchten wir auch eine Manufaktur für die berühmten Panama-Hüte, die großteils in Cuenca und der näheren Umgebung hergestellt werden. Es war ziemlich beeindruckend zu sehen mit welcher Geduld, vorrangig Frauen, die engen Maschen für die "Rohlinge" knüpften. Durch Erhitzen und Pressen werden diesen dann die unterschiedlichen Formen verpasst. Je nach Feinheit der Maschen, variiert der Preis für die bekannte Kopfbedeckung und kann durchaus in den hohen vierstelligen Bereich klettern.

Cuenca bietet sich als hervorragender Ausgangspunkt für einen Ausflug in den Cajas-Nationalpark an. Zusammen mit einem Schweizer Paar, das wir im Hostel kennen lernten, fuhren wir mit dem Bus dorthin um auf einer der Wanderrouten den Park zu erkunden. Normalerweise kann man hier in den Bergen zwischen unzähligen Lagunen und Seen entlang marschieren und die beeindruckende Andenlandschaft genießen. Wir allerdings, hatten Pech mit dem Wetter. Ein feiner Nieselregen fiel durchgehend auf uns herab und dicke Nebelschwaden zogen durch die Bergketten, sodass wir gezwungen waren lediglich den See am Eingang des Parks zu umrunden. Dennoch war die Landschaft unheimlich schön und man konnte erahnen, wie es hier bei besseren Bedingungen aussehen muss. In Cuenca erlebten wir aber auch eine kleine Enttäuschung: eine bei Touristen beliebte, malerische Zugstrecke verbindet die beiden Orte Alausi und Riobamba und sollte der nächste Punkt auf unserer Route durch die Berge werden. Allerdings hatte der Lockdown dem Betreiber ordentlich zu schaffen gemacht und dazu geführt, dass der Zug aktuell nicht fährt. Wir entschieden uns also mit dem Bus direkt nach Riobamba zu fahren.


Schon in Cuenca spürte ich eine Erkältung anfliegen, die wohl eine Nachwehe der Partynächte in Moñtanita war. Vollgepumpt mit Aspirin Komplex hiefte ich mich in den Bus, der uns in etwa sechs Stunden nach Riobamba brachte, wo ich die ersten zwei Tage nur in unserem Hostel verbrachte. Laura unternahm alleine den ein oder anderen Spaziergang durch die Stadt. Wir waren aber aus einem anderen Grund nach Riobamba gekommen. Nicht weit entfernt liegt nämlich der vom Erdmittelpunkt am weitesten entfernte Ort der Erde: der Vulkan Chimborazo. Durch die Form unseres Planeten und der Lage des Vulkans am Äquator, ist er mit seinen 6.263m höher als der Mount Everest (würde man vom Erdmittelpunkt aus messen). Am dritten Tag ging es mir deutlich besser und wir nutzen das perfekte Wetter um am Chimborazo zu wandern. Mit dem Auto konnten wir zu einer der Berghütten auf 4.800m fahren, in der Gipfelstürmer übernachten, bevor sie früh morgens über den Gletscher zur Spitze aufbrechen. Von dort ging es dann zu einer kleinen Lagune auf 5.100m, dem letzten Punkt zu dem man ohne Ausrüstung gelangen kann. Die Höhe machte uns allerdings deutlich zu schaffen. Jeder Schritt war ein Kraftakt und das Atmen fiel wahnsinnig schwer. Laura hatte auch bald mit Kopfschmerzen zu kämpfen, sodass wir uns schnell auf den Weg machten. Wir hatten uns eine Route ausgesucht, die von dort entlang des Vulkans zurück auf 4.000m führt. Das Wetter war wirklich perfekt und wir wanderten 15km durch die atemberaubende Landschaft, immer mit dem eisbedeckten Gipfel im Rücken. Unterwegs konnten wir wilde Vikunjas beobachten, die kleinste der vier Lamaarten in Südamerika. Am Ende der Tour kreuzte dann noch ein Hirte mit seiner Alpaka Herde unseren Weg und sorgte für ein perfektes, klischeehaftes Fotomotiv. Der Tag war wirklich unbeschreiblich schön, auch wenn verdammt anstrengend. Völlig ausgepowert fielen wir abends in unser Bett.


Am nächsten Morgen bekam ich für die Anstrengungen des Vortages direkt die Quittung. Die Erkältung war zurück und zwar stärker als zuvor. Wir wollten trotzdem weiter in den nächsten Ort ziehen, nach Baños. Also schmiss ich erneut eine Ladung Aspirin ein und verschlief den Großteil der zweistündigen Fahrt. In Baños angekommen verkroch ich mich aber direkt ins Bett und verbrachte dort den Rest des Tages. Baños de Agua Santa ist bekannt für seine vielen Outdoor Angebote. Von Rafting über Canyoing bis Mountainbiking gibt es alles. Zudem hat sich durch die große Anzahl an Touristen auch ein gediegenes Nachtleben etabliert. Wir ließen es zunächst ruhiger angehen und verbrachten einen Tag lang in einem Thermal Spa. Für $35 konnten wir den ganzen Tag dort verbringen und uns in Dampfbad, Sauna und Jacuzzi erholen. Zudem war eine 60 minütige Massage und eine Gesichtsmaske inklusive. Am nächsten Tag fühlten wir uns wie neu geboren.

Eine der bekanntesten Attraktionen in Baños ist der Wasserfall "Pailon del Diabolo", zu dem wir mit dem Fahrrad fahren wollten. Als plötzlich Regen einsetzte, entschlossen wir uns doch eine der Touren zu buchen, was sich als großer Fehler herausstellen sollte. Wir kamen uns vor wie auf einer Kaffeefahrt und wurden jede 500m aus dem Bus gejagt um mit einer Zipline über eine Schlucht zu fliegen oder einen Süßigkeitenladen zu besuchen, was unheimlich nervig war. Letztendlich haben wir es dann doch noch zum Wasserfall geschafft, der aber auch ziemlich überlaufen war. Kurz raus, Bilder gemacht und wieder eingestiegen. Den Tag verbuchten wir als "überflüssig". Generell war uns Baños zu sehr auf Tourismus fixiert und an jeder Ecke lauerte ein Touranbieter der einem irgendwas andrehen wollte. Wir waren froh, als es Zeit war weiter zu ziehen, denn auf die nächste Station freuten wir uns schon sehr: eine dreitägige Wanderung zum Kratersee Quilotoa.






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