• Laura Enderlin

Tauchkreuzfahrt - Inseln Wolf & Darwin

Das ganze Wochenende ließen wir unsere Kreditkarten glühen, um die Tauch-Kreuzfahrt in bar zahlen zu können. Dadurch sparten wir uns zusätzliche 7% Gebühren bei Kartenzahlung. Voller Aufregung machten wir uns Montag Morgen dann endlich auf den Weg. Wie groß unsere Kabine auf dem Boot wohl sein würde? Was für einen Schlag Menschen trifft man überhaupt auf so einem Liveaboard? Eins war uns auf dem Boot angekommen schnell klar: außer uns reiste keiner mit dem Rucksack und die anderen hatten alle mehrere hundert Tauchgänge an Erfahrung vorzuweisen. Trotzdem freuten sich alle für uns und beglückwünschten uns, dass wir diese einmalige Gelegenheit bekommen hatten. Insgesamt waren wir zehn Taucher auf dem Boot, vier Franzosen, vier Amerikaner und wir beide. Die Crew der Humboldt-Explorer bestand aus zwölf Personen, wovon drei als Tauchguide arbeiteten. Das Boot hatte mehr Komfort zu bieten als die meisten Hostels, in denen wir bisher übernachtet haben. Neben den Kabinen für die Passagiere, gibt es auf dem mittleren Deck einen Salon mit großen Esstischen und einer Couchecke. Auf dem Sonnendeck gab es Liegestühle, mehrere Sitzgelegenheiten und sogar einen kleinen Whirlpool! Wir wurden von allen sehr herzlich empfangen und am Abend gab es ganz klassisch den Captain‘s Cocktail mit der gesamten Crew.


Die ersten beiden Tage verbrachten wir mit einer Vorstellungsrunde, mehreren Unterweisungen und Sicherheitsübungen und damit, unsere Tauchausrüstung vorzubereiten und anzupassen. Dazu waren zwei Tauchgänge an den Hauptinseln des Archipels eingeplant. Wir nutzen die guten Bedingungen dort und machten uns mit der Ausrüstung und den Abläufen an Board der Humboldt Explorer vertraut. Wir wurden für die Tauchgänge in zwei Gruppen aufgeteilt und jeweils mit einem der Tauchguides auf kleinen Beibooten („Panga“ genannt) zu den Tauchspots gefahren. Da die Wassertemperatur zwischen 20-23 Grad betragen kann, wurden wir vorsorglich mit Taucherstiefeln, Handschuhen, Taucherhauben und 8mm dicken Neoprenanzügen ausgestattet. Ein weiterer Kniff, den uns die alten Hasen netterweise verrieten, ist es, vor dem Tauchgang unter der Dusche auf dem Deck heißes Wasser in den Anzug laufen zu lassen. Ich muss zugeben, ich habe tatsächlich noch nie so wenig gefroren beim Tauchen wie in dieser Woche.

Am Nachmittag des zweiten Tags unternahmen wir einen Landgang auf die Insel „North Seymour“. Dort erklärte uns ein Guide des Nationalparks alles zu den unzähligen Vögeln, Echsen und Seelöwen die die Insel bewohnen. Die Blaufußtölpel und Fregatt-Vögel brüten ganzjährig und so konnten wir ein paar der Jungvögel ganz aus der Nähe beobachten und vor allem auch hören wie sie nach Essen schrien. Eins der Küken (und in dem Moment auch wir) hatte Glück und seine Mutter kam gerade von der Jagd zurück. Es sah fast aus als würde sie das Kleine verschlingen, als sie die mitgebrachte Nahrung hochwürgte und ihm in den Schnabel fallen ließ.

Zurück an Board startete der Kapitän mit der Navigation zur Insel Wolf, immerhin lagen ca. 14 Stunden und mehr als 120 Kilometer Weg vor uns.


Am Abend wurde uns der Ablaufplan für den ersten „richtigen“ Tauchtag vorgestellt: Tauchgänge um 06:30, 10:00, 13:30 und 16:00 Uhr, jeweils mit Ruhepausen für Essen und Schlafen dazwischen. Mit einem Grinsen sagte der Tauchguide „Die nächsten Tage ist unser Motto: Eat, Dive, Sleep, Repeat“ - also Essen, Tauchen, Schlafen und wieder von vorne. Auf dem Oberdeck hatten wir an diesem Abend noch eine atemberaubende Sicht auf die Milchstraße und sahen viele Sternschnuppen.

Mit dem Plan für den nächsten Tag vor Augen gingen wir alle schon um halb 10 ins Bett.

Als der Wecker am nächsten Morgen um 05:15h klingelte waren wir beide wahnsinnig aufgeregt und konnten es kaum erwarten dass es endlich losgeht. Nach einer kleinen Stärkung und Tizian's lebenswichtiger Tasse Kaffee am Morgen, gab es das Briefing vor dem ersten Tauchgang an Wolf Island. Mit hohen Erwartungen waren wir schon um 06:30h im Wasser und wurden direkt von einer Gruppe Adlerrochen begrüßt. Ich hatte bis dahin noch nie einen Rochen gesehen, der größer war als einen Meter, daher war ich völlig fasziniert von den ca. 2,5 Metern Spannweite dieser Exemplare. Die meisten Tauchgänge bei Wolf & Darwin sind stationäre Tauchgänge, d.h. man schwimmt unter Wasser an einen bestimmten Punkt und hält sich dort fest, um dann die Tiere um sich herum zu beobachten. So fanden wir dann auch zwischen Unmengen von Muränen und kleineren Fischen einen Platz auf den Felsen und machten es uns gemütlich. Das Ganze fühlte sich ein bisschen an wie ein Kino in 20 Metern Tiefe, wir saßen einfach nur da und schauten ins offene Meer. Es dauerte nicht lange, bis sich die Tiere an unsere Anwesenheit gewöhnt hatten und unzählige Hammerhaie und Galapagos Haie sich direkt vor uns in der Strömung treiben ließen. Die Haie nutzen die Strömung um sich auszuruhen, indem sie Wasser durch ihre Kiemen fließen lassen. Außerdem lassen sich die Haie in dieser sogenannten Putzerstation von kleineren Fischen von Parasiten und Hautschuppen befreien.

Jeder einzelne Tauchgang glich einem Spektakel und doch hielt der nächste immer noch ein weiteres Highlight bereit. Beim zweiten Mal im Wasser schwammen am Sicherheitsstopp in 5 Metern Tiefe, ca. 30-40 Delfine über uns an der Oberfläche.

Mittags gesellte sich eine große Gruppe Seidenhaie zu uns, welche ihre Kreise um uns zogen. Hier hatte ich das erste Mal ein mulmiges Gefühl, als ein besonders neugieriger Hai auf mich zukam und erst wenige Meter vor mir abdrehte. Dieser kurze Schreck war auf dem nächsten Tauchgang aber schon wieder vergessen, als wir direkt an den Felsen etwa 10-15 Seelöwen beim Spielen in der Brandung beobachteten.

Was für ein Tag! Beim Abendessen gab es nur ein Thema: wie sehr die Tauchgänge alle unsere Erwartungen sogar noch übertroffen hatten. Ich brannte nur so darauf, den anderen meine Bilder und Videos zu zeigen. Wir konnten gar nicht genug davon kriegen, uns gegenseitig immer wieder an die besonders schönen Momente Unterwasser zu erinnern. Wir konnten immer noch nicht begreifen, was wir alles mit unseren eigenen Augen gesehen hatten. Kurz vorm Schlafengehen sagte ich zu Tizian "Wenn du mich nach dem besten Tag in meinem Leben fragen würdest, die Antwort wäre definitiv heute!"


Der nächste Morgen hielt eine gewaltige Überraschung für uns bereit: kurz bevor wir ins Wasser wollten und gerade den Neoprenanzug überzogen, tauchte ein Orca nicht weit vom Boot entfernt auf! Ich muss ehrlich zugeben, in diesem Moment war ich mir nicht mehr so sicher ob ich unbedingt jetzt tauchen gehen will. Aber die Tauchguides machten keine Anstalten und trieben uns eher noch an uns zu beeilen, dass wir vielleicht auch noch unter Wasser einen Blick auf den selbst für Galápagos seltenen Meeresbewohner werfen können. Das hat dann aber leider nicht geklappt, lediglich an der Nervosität der Haie konnten wir ablesen, dass der Orca wohl noch irgendwo in der Nähe sein musste. Dafür wurden wir am Ende des Tauchgangs mit einer riesigen Schule junger Hammerhaie (bestimmt um die 80 Tiere) belohnt.

Noch während dem Mittagessen startete die Navigation zu Darwin Island, wo die Tauchgänge am Nachmittag stattfinden sollten. Gerade angekommen, wurden wir auf eine Gruppe von ca. 15 Zwergpottwalen aufmerksam, die uns dann später auch auf der Fahrt mit dem Panga ein Stück in Richtung unseres Tauchspots begleiteten. Alle 6 Tauchgänge hier fanden am gleichen Ort statt: kurz vor der Felsformation "Darwin's Arch". Der berühmte Steinbogen war lange Zeit eines der Wahrzeichen von Galápagos, bis er vor wenigen Monaten durch starken Wellengang zusammenbrach. Wir wählten diesen Tauchspot aus einem ganz bestimmten Grund: zwischen Juli und Oktober halten sich hier schwangere Walhai Weibchen auf, um sich auf ihrer langen Reise auszuruhen.

Unter Wasser bot sich eine Plattform aus Felsen besonders an, um sich an die Kante zu legen und die Sicht ins Blaue zu genießen. Auch hier ließen sich zahlreiche Hammerhaie und Galapagoshaie putzen und die ein oder andere Meeresschildkröte schwamm an uns vorbei. Immer am Ende der Tauchgänge schwammen wir noch ins offene Meer hinein, auf der Suche nach einem Walhai. Dort befanden sich über dem sandigen Grund aber nur Seidenhaie. Auf dem letzten Tauchgang fiel das Sonnenlicht wunderschön von der Oberfläche durchs Wasser und sorgte für eine ganz besondere Stimmung. Auch wenn wir an diesem Tag keinen Walhai zu Gesicht bekommen hatten, waren wir unheimlich glücklich, an diesem beeindruckenden Ort zu sein.


Am nächsten Tag warteten nach dem bekannten Schema vier Tauchgänge auf uns. Bereits auf dem ersten am frühen Morgen hatten wir wahnsinniges Glück und wurden für die Warterei auf der Plattform belohnt. Inmitten einem Schwarm Gringo Fische (spanisch für Amerikaner, heißen so weil sie rot und überall sind 😉) tauchte plötzlich ein dunkler Schatten direkt neben uns auf. Ein 16 Meter langer Walhai zog mit einer atemberaubenden Schönheit majestätisch an uns vorbei. Wir versuchten kurz sein Tempo mit zu schwimmen, allerdings hatten wir gegen die ca. 3 Meter lange Schwanzflosse keine Chance. Nach etwa einer Minute mussten wir ihn daher von Dannen ziehen lassen und schauten ihm völlig begeistert hinterher. Wieder bei der Felsplattform angekommen, musste ich mich erst mal wieder beruhigen. Vor lauter Aufregung und von der anstrengenden Schwimmaktion war ich komplett außer Atem und mein Herz klopfte wie wild. Auf den weiteren Tauchgängen war die Spannung bei jedem einzelnen von uns deutlich zu spüren. "Ist der Walhai wohl noch in der Nähe?" "Sehen wir ihn noch ein zweites Mal so nah?" Und was soll ich euch sagen, unsere Glückssträhne hielt an: auf jedem der folgenden Tauchgänge begegneten wir einem Walhai. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Größe zwischen 12 und 16 Metern und ihrer Musterung war sich unser Tauchguide sicher, dass es sich dabei sogar um vier verschiedene Tiere handelte. Einem Walhai bin ich sogar so nahe gekommen, dass ich in etwa 2 Metern Entfernung direkt sein Gesicht filmen konnte und als er sich plötzlich zu mir drehte, schnell aus dem Weg schwimmen musste.

Einem anderen Tier bin ich, wenn auch etwas unfreiwillig, sogar noch näher gekommen. Beim Warten auf der Plattform filmte ich gerade einen Schwarm Fische als ich sah, dass Tizian mich auf etwas aufmerksam machen wollte. Ich drehte mich zu ihm um und zuckte furchtbar zusammen. Direkt an meinem Arm hatte es sich eine Muräne bequem gemacht und hatte sich der Länge nach dort hingelegt. Durch meine Reaktion hatte sie sich mindestens genauso erschrocken wie ich und suchte dann schnell das Weite.

Eine andere Begegnung, die wir so schnell wohl nicht mehr vergessen werden, war die mit einem Tigerhai. Er schwamm durch einen Schwarm Fische hindurch aus der Tiefe hoch genau auf uns zu, während wir auf der Felsplattform lagen. Erst im letzten Moment drehte er ab und schwamm über unsere Köpfe hinweg. Durch seine Größe von ca. 4 Metern und die Streifen an der Seite erkannte Tizian gleich was für ein Hai es gewesen war und versuchte es mir unter Wasser zu erklären. Ich verstand ihn allerdings nicht und muss sagen, ich bin im Nachhinein ganz froh darüber, da Tigerhaie als nicht ganz ungefährlich gelten.


In der Nacht fuhren wir zurück zu Wolf Island, wo am nächsten Tag nochmal drei Tauchgänge stattfanden. Wir genossen es, die Hammerhai Schulen, Adlerrochen und Seelöwen noch einmal zu sehen und konnten sogar noch einen weiteren Tauchspot mit einer Felswand mit mehreren kleinen Höhlen erkunden. Direkt nach dem Mittagessen startete der Kapitän die Navigation zurück zu den Hauptinseln und hier muss ich zugeben, habe ich dann doch zu einer Reisetablette gegriffen. Wir fuhren gegen die Strömung und gegen die Wellen, sodass wirklich alles auf dem Boot wackelte. Abends im Bett fühlten wir uns als wären wir in einer Achterbahn, da jede Welle uns kurz von der Matratze abheben ließ. Selbst Tizian, der sonst wirklich nie Probleme mit Seekrankheit hat, ließ sich zu einer Reisetablette überreden. Die letzten beiden Tage hatten wir noch einen finalen Tauchgang bei "Cousin's Rock", eine stark mit Wasserpflanzen bewachsene Felsformation und machten einen Landgang auf Santa Cruz. Dort besuchten wir die Galapagos-Riesenschildkröten im Hochland und fuhren für ein letztes gemeinsames Abendessen nach Puerto Ayora.


Uns fiel es wirklich sehr schwer das Boot wieder zu verlassen und wir dachten die erste Woche jeden Tag daran, welche Tauchgänge heute auf dem Programm der Taucher an Bord standen. Wir sind unendlich dankbar für die Eindrücke und Erlebnisse die wir in dieser Woche sammeln durften. Die immense Dichte an Tieren unter Wasser rund um die Inseln Wolf & Darwin hat wirklich alle unsere Erwartungen übertroffen. Beim Durchschauen der Bilder und Videos habe ich nach wie vor eine Gänsehaut und kann es immer noch nicht so richtig begreifen, dass ich das wirklich alles selbst gesehen habe.


Um euch selbst ein Bild von der Unterwasserwelt dort zu machen, klickt euch gerne durch die Fotos hier im Beitrag oder schaut euch das Video zur Tauchsafari hier an.





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