• Laura Enderlin

Quilotoa & Cotopaxi - Frische Bergluft und wandern, wandern, wandern

In Guatemala hatten wir auf der Vulkan-Wanderung ein französisches Pärchen kennengelernt und waren mit ihnen in Kontakt geblieben. Da sie zeitgleich mit uns auch ein paar Tage in Ecuador verbrachten, verabredeten wir uns für eine weitere gemeinsame Wanderung. Wir trafen Julie & Thibaut in Latacunga, welches eine super Ausgangslage für den Quilotoa Loop Hike bietet. Diese Wanderung führt über mehrere Tage durch kleine Bergdörfer, bis sie in Quilotoa an einem wunderschönen Kratersee endet. Wir ließen einen Teil unseres Gepäcks im Hostel in Latacunga und machten uns auf den Weg nach Sigchos, dem Startpunkt der Wanderung. Der Weg führte uns auf einem schmalen Pfad durch ein Tal mit einem kleinen Fluss. Nach etwa dreieinhalb Stunden und gerade noch rechtzeitig vor dem Regen erreichten wir Isinliví. Die Lodge in der wir ein Zimmer für die Nacht reserviert hatten, war super gemütlich. Unser Zimmer hatte einen Balkon mit Sicht ins Tal und sogar einen kleinen Holzofen. Neben der tollen Aussicht und dem guten Essen freute sich Tizian aber vor allem über „Balu“, den riesigen Bernhardiner der Lodge. Balu war etwa hüfthoch und erinnerte mehr an ein Kalb als an einen Hund. Tizian konnte gar nicht genug von ihm kriegen, sodass er mich am nächsten Morgen sogar beim Frühstück alleine sitzen ließ um mit ihm zu kuscheln.

Von Isinliví ging es für uns weiter nach Chugchilán. Unterwegs trafen wir unzählige Schafe, Kühe, Pferde, Esel und Schweine. Eine Kuh versperrte uns den Weg, sodass Thibaut sich alle Mühe geben musste sie dazu zu bringen zur Seite zu gehen. In unserer Unterkunft in Chugchilán - wer hätte es gedacht - wartete ein weiterer Hund nur darauf von Tizian gestreichelt zu werden. Wir verbrachten den Nachmittag mit Kartenspielen und ließen uns von der herzlichen Gastgeber Familie mit heißen Getränken und leckerem Essen versorgen.

Am letzten Tag unserer Wanderung waren wir alle schon etwas angeschlagen. Neben der Höhe machten uns Blasen an den Füßen und Rückenschmerzen zu schaffen. Außerdem hatte auch ich etwas von Tizians Erkältung abbekommen. Nachdem wir uns das letzte steile Stück zum Aussichtspunkt über den See hochgekämpft hatten, waren wir uns aber einig dass sich dafür jede Anstrengung gelohnt hatte. Die Sonne schien und ließ das Wasser des Sees türkisgrün leuchten. Während einer kurzen Vesper-Pause zog allerdings der Himmel komplett zu und wir konnten den See nur noch unter der dicken Wolkenschicht erahnen. Wir entschieden uns daher für die kurze Route um den See herum und fanden auf dem Weg zumindest noch ein paar Stellen mit freier Sicht. Völlig erschöpft aber sehr zufrieden machten wir uns von Quilotoa zurück auf den Weg ins Hostel nach Latacunga.


Um unseren müden Knochen ein bisschen Erholung zu gönnen, beschlossen wir für die folgenden Nächte gemeinsam in eine Berglodge in der Nähe des Cotopaxi Nationalparks zu fahren. Der Nationalpark erstreckt sich rund um den gleichnamigen Vulkan, der nach dem Chimborazo der zweithöchste Berg des Landes ist. Julie & Thibaut hatten einen Mietwagen und so zwängten wir uns und unsere vier großen Rucksäcke in das eigentlich viel zu kleine Auto. Die letzten paar Kilometer zur Lodge waren leider mehr für große Pickups geeignet und so wurden wir ordentlich durchgeschüttelt und feuerten unser Gefährt vor jedem Hügel nochmal extra an. In der Lodge angekommen war an Ausruhen allerdings nicht zu denken: direkt nach dem Mittagessen startete eine der Wanderungen die in unserem Aufenthalt inbegriffen waren. Also fügten wir uns unserem Schicksal und marschierten tapfer bis zu einem nahegelegenen Wasserfall. Nur Tizian und Thibaut trauten sich, bei leichtem Nieselregen, in das 9 Grad kalte Wasser zu springen. Erst am Abend, als wir es uns nach dem Essen im Whirlpool mit Wein und Bier gemütlich machten, konnte auch ich zum ersten Mal so richtig entspannen.

Die Lodge liegt einige Kilometer außerhalb des Cotopaxi Nationalparks und bietet daher bei gutem Wetter eine spektakuläre Sicht auf den Vulkan selbst. Da die Wolken meist erst im Laufe des Vormittags am Gipfel hängenbleiben, stellten wir unsere Wecker für den Sonnenaufgang. Und tatsächlich, als wir verschlafen aus unserem Zimmer stolperten, war die von Eis überzogene Spitze des Bergs klar zu sehen. Mit dieser Aussicht freuten wir uns umso mehr auf unser Tagesprogramm: ein Ausritt im Nationalpark am Fuß des Cotopaxi. Ich wollte als Kind immer reiten und war fleißige Wendy-Leserin. Ich erinnere mich aus Kindheitstagen aber nur an Ausflüge zum Tag der offenen Tür auf den nächsten Reiterhof oder das klassische Pony-Reiten für Kleinkinder. Daher freute ich mich riesig, dass dieser langersehnte Traum nun endlich wahr werden sollte. An der Ranch angekommen wurde jedem von uns ein Helm verpasst und ein Pferd zugeteilt. Nach einer kurzen Erklärung wie man Zeichen gibt für Rechts, Links, Stopp oder Start, ging es auch schon los. Die erste halbe Stunde fanden mein Schimmel Pamperito und ich noch nicht so ganz zueinander. Der Steigbügel war zu kurz eingestellt, der Sattel verrutschte immer wieder und daher war ich etwas enttäuscht, wie wenig Spaß ich an der ganzen Sache hatte. Ganz anders ging es Tizian hinter mir, zwischen ihm und seinem Pferd Marlboro hatte es direkt gefunkt und er konnte gar nicht genug davon kriegen im Trab auf dem Pferderücken durchgeschüttelt zu werden. Er erzählte permanent, dass er sich selbst wie in der alten Zigaretten Werbung vorkommt, in der ein einsamer, verwegener Cowboy seine Kuhherde vor sich her treibt. „Come to Marlboro Country“

Ich dagegen konzentrierte mich erstmal darauf nicht vom Pferd zu fallen und hatte wenig Blicke übrig für die schöne Landschaft und den schneebedeckten Gipfel des Cotopaxis zu meiner Seite. Nach einer kurzen Pause und ein paar kleinen Anpassungen fühlte ich mich dann schlussendlich auch wohler und gluckste nur so vor Freude als wir schließlich sogar im Galopp über eine offene Wiese brausten. Sobald eines der Pferde anfing schneller zu werden, zogen alle anderen mit und waren selbst mit den Zügeln kaum zu halten. Nach knapp drei Stunden waren wir fast genauso erschöpft wie unsere Pferde und der Sattel hatte doch auch seine Spuren an meinen Oberschenkeln hinterlassen.

Zurück in der Lodge wartete ein weiterer Höhepunkt auf uns: in der Küche stand ein Eimer mit Bananenschalen bereit, um die Alpakas der Lodge damit zu füttern. Die Tiere kamen, sobald sie uns mit den Leckereien sahen, wie wild auf uns zugerannt und sogar das Kleinste von ihnen ließ sich beim Füttern endlich streicheln. Die Kulisse war perfekt: im Hintergrund der Cotopaxi und vorne dran die Alpakas.


Der darauffolgende Tag hielt die nächste, aber vorerst letzte Wanderung für uns bereit: 16km und 700 Höhenmeter zur Spitze des Vulkan

Pasachoa. Wir wanderten in einer großen Gruppe von ca. 20 Leuten und sogar ein paar der Hunde aus der Lodge hatten beschlossen uns zu begleiten. Die dünne Luft auf ca. 4.000m und meine leider noch nicht ganz abgeflachte Erkältung machte mir nach wie vor zu schaffen. Ich war schwer am Schnaufen und hatte meine Mühe mit den anderen Schritt halten zu können. Nach etwa drei Stunden waren wir endlich auf der Spitze angekommen und es war Zeit sich über unsere Lunchpakete herzumachen. Jetzt verstand ich auch, weshalb die Hunde sich uns mit einer solchen Begeisterung angeschlossen hatten: nur wenige konnten ihren bettelnden Augen standhalten und so wurde von Bananen bis hin zu Sandwich fast alles mit ihnen geteilt.

Zurück in der Lodge hieß es nach dem Mittagessen und einer heißen Dusche dann Abschied nehmen von Julie & Thibaut. Die beiden fuhren weiter in den Süden, während es für uns mit einem Shuttle zurück nach Quito ging.







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