• tizianwagner

Vom Regen in den Sand - Entlang Australiens beliebtester Urlaubsorte

Schon am Tag unserer Abreise aus Sydney, sahen wir uns wieder einer Schlechtwetterfront ausgesetzt. Für die kommenden Tage war ein schwerer Sturm vorausgesagt, der erneut große Regenmassen mit sich bringen würde. Aus diesem Grund entschieden wir uns schweren Herzens, den Ausflug in den beliebten Blue Mountains National Park, unweit von Sydney, zu streichen. Die darauffolgenden Tage verbrachten wir zum großen Teil im Auto, immer damit beschäftigt den dunklen Wolken zu entkommen. Wir ließen leider viele schöne Küstenorte links liegen und übernachteten vorwiegend auf Rastplätzen am Highway. Kurz vor dem bekannten Surfer-Ort Byron Bay schienen wir auch den äußersten Ausläufern des Unwetters entkommen zu sein. Von einem australischen Paar, das wir unterwegs kennen gelernt hatten, wussten wir aber dass das Städtchen noch immer mit den Folgen der Überschwemmungen der letzte Monate zu kämpfen hatte.


Zu unserem Glück hatte sich die Situation vor Ort beruhigt und wir konnten uns auf einem Campingplatz unweit des Stadtkerns einquartieren. Byron Bay vereint wohl alle Klischees die es zu einem australischen Surferort geben kann. Ein langer Sandstrand, an dem sich die Surfer in den Wellen tummeln, zahllose, hippe Cafés und Restaurants entlang der Strandpromenade und Geschäfte, die alles rund ums Surfen verkaufen. Abends stehen am Parkplatz vorm Strand die Camper in einer Reihe während ihre Besitzer im angrenzenden Park auf dem Gras sitzen, Gitarre spielen oder einfach den Sonnenuntergang genießen. In den Pubs treten Musiker auf und eine grundsätzliche Entspanntheit scheint über allem zu liegen. Am Ende des Strandes steht auf einem dicht bewaldeten Hügel ein großer Leuchtturm, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf Byron Bay und das Umland hat. Zweimal waren wir an diesem Aussichtspunkt: jeweils zum Sonnenauf- und -untergang. Es tat gut, mal wieder etwas mehr Zeit außerhalb des Campers zu verbringen und nur widerwillig setzten wir unseren Roadtrip fort.


Die wenigen sonnigen Stunden nutzen wir für kleinere Wanderungen, wie zum Beispiel im Glasshouse Mountain National Park oder im Coombabah Naturschutzgebiet, wo es nur so von Kängurus wimmelte.

Unser nächster planmäßiger Halt war die Stadt Gold Coast, ein weiterer Hotspot für Surfer, wie einer der Strände mit dem Namen „Surfers Paradise“ unschwer erkennen lässt. Im Gegensatz zu Byron Bay konnte Gold Coast uns allerdings nicht wirklich überzeugen. Hauptsächlich große Hotelanlagen prägen hier das Stadtbild und machen die Küstenstadt zum Sammelbecken von Club-Urlaubern. Nichts war übrig geblieben vom verschlafenen Charme Byron Bays. Allerdings kamen wir hier in den Genuss, einen weiteren Punkt auf der „Was man in Australien gemacht haben muss“ Liste abhaken zu können. Ein Stadionbesuch bei einem Australian Football Spiel. Eine wilde Mischung aus Rugby, American Football und Fußball mit viel Körperkontakt, bei dem zumindest ich auf meine Kosten kam. Laura hatte trotzdem ihren Spaß, vor allem auch weil die Heimmannschaft, die Gold Coast Suns, einen klaren Sieg einfuhr.


Um den ungemütlichen Hotelbunkern von Gold Coast zu entkommen, fuhren wir nach nur einer Nacht weiter in die Hauptstadt des Bundesstaats Queensland und die drittgrößte Stadt Australiens, Brisbane. Brisbane ist als Wirtschafts- und Industriestadt bekannt, beherbergt aber im Stadtteil „South-Bank“ eine Vielzahl an Museen und Kultureinrichtungen. Nicht zuletzt deshalb hatte es uns in South-Bank am besten gefallen. Der Stadtteil hat außerdem eine hohe Dichte an Bars, Bistros und Cafés und das wohl größte Highlight der Stadt: die Stadtlagune.

Am Ufer des Brisbane Rivers, der sich durch die gesamte Stadt zieht, findet man in South-Bank eine riesige Pool-Anlage inklusive Palmen, Sandstrand, Kinderbereich und Lifeguards. Ein beliebter Sammelpunkt für Familien, Touristen und alle anderen Sonnenanbeter, die das Herzstück Brisbanes kostenlos genießen wollen. Solche gut ausgestatteten und gepflegten Gemeinschaftseinrichtungen, wie beispielsweise Parkanlagen und Spielplätze haben wir bereits in vielen Städten Australiens bemerkt.

Auch wenn Brisbane unserer Meinung nach nicht ganz so mitreisend war wie Melbourne und Sydney, ist die Stadt auf jeden Fall einen Besuch wert.

Unser Weg führte uns immer weiter nordwärts, stets der Küste entlang. Auch wenn Brisbane ganz nett war, waren wir trotzdem froh, als wir die Gegend rund um die Ferienparadiese Gold und Sunshine Coast, die Brisbane umschließen, hinter uns lassen konnten. Noosa war wieder mehr nach unserem Geschmack. Der kleine Ort erinnerte uns etwas an Byron Bay und hatte auch einen ähnlichen Flair. Unsre Zeit dort fiel auf das Oster-Wochenende, weshalb ein kleiner Markt mit allerlei Handwerkskunst und Streetfood stattfand, über den wir schlenderten. Zusammen mit zahlreichen Australiern die ihre Feiertage in Noosa verbrachten, genossen wir die warmen Sonnenstrahlen am Strand und wanderten am Küstenweg entlang an schroffen Klippen und kleinen Buchten, in denen sich nur vereinzelte Surfer ins Wasser trauten.

Im Anschluss an Noosa stand für uns etwas Abwechslung auf dem Programm. Von Rainbow Beach aus, was etwas mehr als eine Autostunde nördlich liegt, hatten wir eine Tagestour zur Sandinsel Fraser Island gebucht (als hätten wir nach den ganzen Stränden nicht schon genug Sand gesehen...).

Wir haben uns an die hohen Preise für Ausflüge und Touren immer noch nicht wirklich gewöhnt und so entsteht jedesmal eine Diskussion zwischen Laura und mir (in der ich meist den Kürzeren ziehe), ob und in welchem Umfang wir eine Unternehmung, die wir nicht auf eigene Faust machen können, buchen. Mit einem Offroad Bus wurden wir morgens abgeholt und erreichten nach einer kurzen Überfahrt mit einer Fähre Fraser Island. Mit über 120 km Länge ist Fraser Island die größte Sandinsel der Welt und gehört deshalb zum UNESCO Weltkulturerbe. Auf der Insel findet man Mangroven und Eukalyptus Wälder, seltene Farne, Sümpfe und Sanddünen. Diese Vielfalt macht Fraser Island zum beliebten Ausflugsziel.Der Bus fuhr größtenteils auf dem breiten und unfassbar schönen Strand. Wir besuchten einen der kristallklaren Frischwasser-Seen im Inneren der Insel, den dichten Wald mit seinen besonderen Farnen und Bäumen und das berühmte Schiffswrack, dessen rostige Überreste aus dem Sand ragen. Zum Abschluss entdeckten wir außerdem Dingos, die australischen Wildhunde die in großer Zahl auf der Insel leben.

Am Ende der Tour musste ich, wie schon so oft zugeben, dass es doch ganz schön und das Geld wert war.




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