• Laura Enderlin

Von Adelaide nach Sydney - Ein Hauch von Outback

Nach unserem kurzen Ausflug in den Bundesstaat Southern Australia, ging es für uns etwas weiter im Landesinneren wieder zurück in Richtung Ostküste. Dabei bekamen wir das erste mal zu spüren, wie weitläufig Australien tatsächlich ist. Wir fuhren stundenlang auf einer schnurgeraden Straße und um uns herum war nichts als Felder und Bäume. Höchstens jede halbe Stunde kamen wir an ein paar Häusern vorbei, bevor es wieder kilometerweit durchs Nirgendwo ging. Innerhalb von zwei Tagen machten wir ca. 1.000 Kilometer und kamen dann endlich im nächsten Bundesstaat, in New South Wales, an unserem Ziel an: dem Kosciuszko Nationalpark.

Das riesige Naturschutzgebiet ist vor allem im australischen Winter zum Ski fahren beliebt. Außerdem findet man dort den höchsten Berg auf dem australischen Festland: den gleichnamigen Mount Kosciuszko. Auf dem Weg zum Campingplatz begegnete uns am Straßenrand eine große Gruppe grauer Kängurus. Ich war völlig aus dem Häuschen, nach den Wallabys nun endlich auch die zweite der drei Känguruarten zu sehen. Nachdem wir aus den südamerikanischen Anden ganz andere Höhen gewohnt sind, wollten wir es uns nicht nehmen lassen die Spitze des „Bergs“ auf 2.228m zu besteigen. Wir bereiteten uns mit einem ordentlichen Vesper und ausgiebig Schlaf für die Gipfelwanderung vor. Nachdem wir extra früh losgegangen waren um genug Zeit für die anstrengende Wanderung zu haben, stellte sich allerdings heraus, dass die 18km eher einem ausgiebigen Spaziergang glichen und wir in etwa dreieinhalb Stunden schon wieder fertig waren. Die Aussicht war trotzdem sehr schön und wir hatten traumhaftes Wetter mit viel Sonnenschein.


Der Weg zurück zur Küste führte uns eine ganze Weile über eine Schotterstraße, bevor wir auf dem nächsten Stückchen Asphalt eine weitere tierische Begegnung hatten: mehrere Schlangen sonnten sich auf der Straße auf dem heißen Asphalt. Erst als wir mit dem Auto näher kamen, schlängelten sie sich in das Gestrüpp am Straßenrand. Tizian konnte es sich nicht nehmen lassen, das Fenster runterzulassen um die Schlangen besser fotografieren zu können. Ich hatte schon Bedenken er würde auch noch auf die Idee kommen, aussteigen zu wollen aber so groß war der Respekt vor den vermutlich hochgiftigen Tieren dann doch noch.

Als wir wieder am Meer angekommen waren, verfolgte uns leider für eine ganze Weile ziemlich schlechtes Wetter. Die Küstenorte Bateman‘s Bay und Jervis Bay südlich von Sydney sind eigentlich bekannt für wunderschöne Strände und tolle Hafenpromenaden. Da es fast ununterbrochen regnete bekamen wir davon allerdings nicht viel zu sehen. Die meiste Zeit verbrachten wir entweder in einem der Pubs bei Fish&Chips, in einer der Gemeinschaftsküchen auf dem Campingplatz oder machten es uns direkt mit einem Film im Dachzelt gemütlich. An einem Tag kam zum heftigen Regen auch noch starker Wind dazu, sodass wir zwischenzeitlich an der Konstruktion, mit der das Dachzelt am Auto befestigt ist, zweifelten. Mein Highlight in diesen Tagen war ein Campingplatz, auf dem eine Gruppe Kängurus zuhause ist. Unsere flauschigen Nachbarn waren äußerst zutraulich und so konnte ich sogar eine Känguru-Mama mit ihrem Joey (so wird der Känguru-Nachwuchs genannt) streicheln. Ich konnte mein Glück kaum fassen und es hat nicht viel gefehlt, dann hätte ich auch noch bei den beiden draußen übernachtet.

Um die Weltmetropole Sydney auch mit unserem Campervan erkunden zu können, buchten wir uns in einem Vorort auf einem Campingplatz mit Zuganbindung ein. Nach dem schlechten Wetter der letzten Tage waren wir heilfroh, dass wir pünktlich an unserem ersten Tag in Sydney wieder Sonnenschein genießen konnten. Bei einer Free Walking Tour ließen wir uns die Geschichte der Stadt näher bringen und hörten Anekdoten über die Eigenheiten ihrer Bewohner, bevor die Tour wohl am wichtigsten Punkt in ganz Sydney endete: im Hafen. Wir waren direkt verliebt und konnten gar nicht aufhören Fotos vom weltberühmten Opernhaus und der Harbour Bridge zu machen. Die nächsten Tage fuhren wir immer wieder in die Stadt und landeten irgendwie jeden Tag aufs Neue im Hafen. Wir besuchten das historische Viertel The Rocks, wo die Gebäude uns stark an die Hamburger Speicherstadt erinnerten. Unzählige Pubs und Bars sind hier zu finden, teilweise hinter einer Treppe in den Kellermauern der alten Gebäude versteckt. Für eine Portion Fish&Chips fuhren wir mit der Fähre einmal quer durch den Hafen nach Watson‘s Bay und bekamen dabei noch ganz neue Winkel um unser Lieblingsmotiv mit der Kamera einzufangen. Die Portion Fish&Chips konnten wir nur mit großer Mühe gegen die aufdringlichen Möwen verteidigen, die schon auf der Lauer lagen. Als uns eine der Pommes runterfiel, stürzten sie sich wie im Film Findet Nemo mit lautem Geschrei darauf.

Ein weiteres Must-Have-Seen ist der berühmte Bondi-Beach. Der Strand ist besonders bei Surfern beliebt. Allerdings kann man dort auch hervorragend in der Sonne faulenzen und das Geschehen im Wasser vom Handtuch aus beobachten. Wir verbrachten einen Nachmittag dort und waren erstaunt, dass wir um diese Uhrzeit an einem Wochentag wirklich jung bis alt auf ihren Surfbrettern antrafen. Den letzten Tag in Sydney fuhren wir in den Taronga Zoo und wer hätte es gedacht: auch von dort hatten wir einen ausgezeichneten Blick auf das Opernhaus und den Hafen. Im schön angelegten Zoo kann man fast vergessen, dass man sich noch mitten in der Stadt befindet. Im australischen Themen-Bereich konnten wir auch endlich einen Blick auf einige der Bewohner von Down-Under werfen, die uns bisher noch nicht in der Wildnis begegnet sind.


Wir haben Sydney als vielseitige Großstadt kennengelernt und waren zugegeben vor allem von den klassischen Sehenswürdigkeiten beeindruckt. Und auch wenn uns Melbourne als Stadt ein klitzekleines bisschen besser gefallen hat, muss sich Sydney mit seiner ikonischen Skyline nicht verstecken.




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