• tizianwagner

Von Melbourne nach Adelaide - The Great Ocean Road

Um ehrlich zu sein hatten wir Australien als Reiseziel für unseren Trip schon so gut wie ausgeschlossen. Das sehr strikte Vorgehen der australischen Regierung im Umgang mit Corona war dafür der Hauptgrund. Lange gab es keine oder nur sehr vage Berichte über die Öffnungspläne für Touristen. Dass wir es jetzt tatsächlich zum Ende unserer Reise doch noch hierher geschafft haben, freut uns deshalb umso mehr. Australien war schon während der ersten Planungen, noch vor Corona, eine unserer erklärten Wunschdestinationen. Erschöpft und nervös standen wir, nach der langen Anreise von den Philippinen, in der Schlange des australischen Zolls am Flughafen Melbourne, jeder mit einem Stapel Dokumente bewaffnet. Alles verlief absolut problemlos und wir stiegen etwas ungläubig aber mit einem breiten Grinsen in den Bus, der uns ins Stadtzentrum brachte. Als wir dann unterwegs auch noch die ersten Kängurus auf den Feldern neben der Straße entdeckten, realisierten wir: Wir sind tatsächlich in Australien!

Im Vergleich zu den Ländern die wir bisher bereist haben, ist Australien mit Abstand das teuerste Land, weshalb wir unseren Lebensstil dementsprechend anpassen mussten. In Südostasien haben wir beispielsweise kaum selbst gekocht, weil Essen gehen so günstig war. Für die Zeit in Melbourne waren wir in einem zentral gelegenen Hostel untergekommen. Genauer gesagt in einem dürftigen 16 Betten Schlafsaal, den wir hauptsächlich mit jungen Engländern oder Deutschen in Pullis mit der Aufschrift „Abi 21/22“ teilten. Die Lage ist aber unschlagbar und mit 15€ pro Person und Nacht auch noch bezahlbar.

Zu unserem Glück stand zufälligerweise das „Labour-Day“ Wochenende vor der Tür. Ein, aufgrund eines Feiertags am Montag, verlängertes Wochenende, an dem ein großes Festival in Melbournes Zentrum stattfand, inklusive Feuerwerk und großer Parade. Es kam uns anfangs surreal vor, durch die Menschenmengen auf dem Festgelände zu laufen, ohne eine Maske tragen müssen. Durch die strengen Einreisebestimmungen kann hier sonst auf schärfere Covid Maßnahmen verzichtet werden.

Melbourne hat uns von Beginn an begeistert, was wohl auch dem guten Wetter zu verdanken war. Die ganze Zeit hatten wir spätsommerliche Temperaturen von ca. 26 Grad und Sonnenschein, was für den gerade anfangenden Herbst dort wohl nicht üblich ist.

Mit etwas mehr als fünf Millionen Einwohnern ist Melbourne die zweitgrößte Stadt auf dem australischen Kontinent, wirkt aber total unaufgeregt und entspannt.

Unzählige Parks, ein wunderschöner botanischer Garten im Zentrum der Stadt, der Strand direkt um die Ecke und jede Menge unterschiedliche, kulturelle Einflüsse - kein Wunder zählt Melbourne regelmäßig zu den Städten mit der höchsten Lebensqualität weltweit. Mit Fahrrädern erkundeten wir die verschiedenen Viertel. Vom mit Wolkenkratzern gespickten Zentrum, durch die Wohnviertel im viktorianischen Baustil, bis runter an die legere Strandpromenade von St. Kilda. Ein besonderer Blickfang sind die kleinen, bunten Strandhütten am Brighton Beach, die mittlerweile ein ganzes Vermögen kosten. Auf dem Rückweg habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, mit dem Fahrrad einmal durch die Start- und Zielgerade der Formel 1 Rennstrecke zu strampeln. An einem Abend erlaubten wir es uns, zusammen mit Elene, einer Freundin von Laura, die zufällig erst vor ein paar Wochen nach Melbourne gezogen war, in einem Restaurant essen zu gehen um im Anschluss bei einem Dosenbier das Feuerwerk zu genießen.

Zum ersten Mal hatten wir das Gefühl in einer Stadt gelandet zu sein, in der wir es uns vorstellen könnten, auch einmal für eine Weile zu leben.

Mein Geburtstag war gleichzeitig unser letzter Tag in Melbourne und der Beginn des nächsten Abenteuers. Morgens holten wir unser Zuhause für die kommenden sieben Wochen ab. Einen kleinen Campervan, in den unwiderstehlichen Farben lila und grasgrün, mit dem wir die Straßen unsicher machen. Nachdem wir uns in einem Aldi mit Vorräten eingedeckt hatten, ging es für unseren ersten Stopp nach Phillip Island. Die kleine Insel kurz vor Melbourne ist bekannt für eine große Kolonie Zwergpinguine, die in den Dünen ihre Nester baut. Etwa 30.000 dieser nur 30 Zentimeter großen Pinguine leben dort und jeden Abend kommen Tausende von ihnen von ihrem Jagdausflug aus dem offenen Meer zurück an den Strand. Ein Naturspektakel das man sich nicht entgehen lassen sollte. Gespannt saßen wir im kalten Sand und beobachteten, wie pünktlich zum Sonnenuntergang die ersten Köpfchen aus den Wellen hervorschauten. In kleinen Grüppchen watschelten die Pinguine den Strand entlang bis in die Dünen, wo wir sie später auf dem Rückweg in ihren Nestern wiederfanden.


Für uns ging es danach weiter Richtung Westen, entlang der berühmten Great Ocean Road. Die Straße gehört zu den beliebtesten Touristenattraktionen überhaupt, denn sie führt vorbei an unbeschreiblichen Küstenabschnitten mit schroffen Felsen, Leuchttürmen und Eukalyptus-Wäldern. In diesen Wäldern hatten wir dann auch unsere erste Begegnung mit dem wahrscheinlich süßesten Vertreter der australischen Tierwelt: dem Koala. Zu Fuß durchstreiften wir einen der Eukalyptus-Wälder und entdeckten die, an einen Teddybär erinnernden, Koalas hoch oben in den Baumwipfeln, wo sie die meiste Zeit des Tages verschlafen. Als wir abends während des Abendessens vor unserem Camper saßen, bemerkten wir zu unserer großen Begeisterung, dass im Baum direkt neben uns ein Koala gerade aufgewacht war.

Eine Tier-Begegnung die uns im Gegensatz zu einer anderen große Freude bereitete.

Während einer Wanderung um einen kleinen See etwas von der Küste entfernt, bemerkte ich im letzten Moment, bevor ich den Fuß absetzen wollte, eine Schlange direkt vor uns auf dem Weg. Normalerweise nichts was mich besonders beunruhigen würde, da ich selbst einmal eine Schlange als Haustier gehalten habe. Die vielen Schilder, die überall vor den Reptilien warnen und die Tatsache, dass Australien Heimat der giftigsten Schlangen der Welt ist, ließen mich aber doch nervös werden, von Laura ganz zu Schweigen. Mit respektvollem Abstand warteten wir geschlagene zehn Minuten, bis sich das Tier dazu entschied, sich zu verkriechen und den Weg frei zu geben.

Das bekannteste Wahrzeichen der Great Ocean Road sind die „zwölf Apostel“, riesige Kalksteinfelsen, die vor der Küste aus dem Wasser ragen. Besonders beeindruckend ist dieser Ort bei Sonnenauf- oder -untergang, wenn die Felsformationen im Sonnenlicht zu glühen scheinen und die Wellen an ihnen geräuschvoll brechen. Ohnehin ist es eben dieses „Wilde“ des südlichen Pazifiks und der hohen Klippen der Küste, die einem ein wenig das Gefühl geben, am Ende der Welt angekommen zu sein.

Unterwegs lernten wir ein junges australisches Paar kennen, mit dem wir gemeinsam am Strand übernachteten und uns am Lagerfeuer die Eigenheiten der Aussies erklären ließen. Wir genießen die Freiheit, die wir mit dem Camper haben wirklich unheimlich. Wir können jeden Tag so gestalten wie wir es möchten, können anhalten wo immer wir wollen und wissen oft morgens noch nicht wo wir die Nacht verbringen werden.


Den Abschluss der Great Ocean Road bildet die Stadt Adelaide, die weniger als besonders schön gilt sondern vielmehr aufgrund ihrer Lage in einem Weinanbaugebiet, als Genusshauptstadt bekannt ist. Mit offenen Mündern standen wir im Central Market, einer Markthalle in Adelaide’s Zentrum in der allerlei Feinkost angeboten wird. Durch unser enges Budget beschränkte sich unsere kulinarische Vielfalt bisher auf Vesper und Nudeln mit Soße. Kein Wunder lief uns beim Anblick der ganzen Leckereien das Wasser im Mund zusammen. Am Ende gaben wir uns geschlagen und erlaubten uns dort zu Mittag zu essen und uns ein paar Besonderheiten für unterwegs zu gönnen.



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