• tizianwagner

Arequipa, Colca Canyon & die schwimmenden Inseln von Titicaca

In Arequipa haben wir die Stadt gefunden, die uns in ganz Lateinamerika am meisten gefallen hat. Beeindruckende Architektur, schneebedeckte Berggipfel im Hintergrund, eine einladende Atmosphäre, Cafés und Restaurants mit gutem Essen, warme Tage und kühle Nächte. Die Balance stimmt hier einfach. Tagsüber schlenderten wir durch die kleinen Gässschen, die uns an in Italien oder Spanien erinnerten und abends genossen wir den Sonnenuntergang in einer Rooftop Bar am Plaza de Armas. Laura hatte es besonders die Markthalle angetan, mit den Ständen die gefüllt waren mit frischem Obst und Früchten. Zudem besuchten wir das wunderschöne Kloster Santa Catalina. Auf über 20.000 qm, leben hier seit 1580 die Nonnen des Ordens der heiligen Katharina von Siena. Wunderschöne Gärten und Gebäude machen das Kloster zu einer beliebten Attraktion in der „weißen Stadt“, wie Arequipa auch genannt wird.


Gerne hätten wir hier ein paar Tage mehr verbracht aber die nächste Station auf unserer Tour durch Peru stand schon auf dem Programm: der Colca Canyon.

Etwa 160 km nordwestlich von Arequipa erstreckt sich der 70 km lange Canyon durch die Anden. Mit bis zu 2.000 Metern Tiefe gehört er zu den größten Canyons der Welt. Morgens um halb vier holte uns der Bus an unserem Hotel in Arequipa ab. Die Mischung aus zu wenig Schlaf und ein paar Pisco Sour zu viel am Vorabend, hatte bei mir dazu geführt, dass ich den ersten Teil der Tour nicht wirklich genießen konnte. Erst als wir am späten Vormittag am bekannten Aussichtspunkt „Cruz del Condor“ ankamen, war ich wieder halbwegs auf dem Damm. Gerade rechtzeitig, da wir hier die Gelegenheit bekamen, den größten Greifvogel der Welt vor die Linse zu bekommen. Und er ließ auch nicht lange auf sich warten, wenige Minuten nach unserer Ankunft gleitete ein ausgewachsener Andenkondor über unsere Köpfe hinweg. Die mächtigen Vögel können eine Flügelspannweite von bis zu 3,5 Meter erreichen. Nach einer Nacht in einem Dörfchen im Canyon machten wir uns früh morgens auf den Weg auf eine Wandertour zu den heißen Quellen im Nachbarort. Das Aufstehen hatte sich auf jeden Fall gelohnt, da wir komplett alleine waren und uns so einen der Thermalpools aussuchen konnten. Erholt und gut gelaunt ließen wir uns mit einem Collectivo in das Städtchen Chivay kutschieren, von wo aus unser Bus zum Titicaca-See abfahren sollte. Sechs Stunden fuhren wir durch eine atemberaubende Landschaft, vorbei an Lama und Alpaka Herden und Seen mit unzähligen Flamingos.


Die erste Nacht verbrachten wir noch am Rande des Sees in der Stadt Puno, aber schon am nächsten Morgen sollte es direkt auf den See gehen. Zwei Nächte hatten wir in Uros gebucht, eines der schwimmenden Dörfer auf dem höchsten, schiffbaren Gewässer der Welt. Der Titicaca-See liegt auf über 3.800 m, zwischen Peru und Bolivien und gilt als die Geburtsstätte der Inka-Kultur. Mitten im schilfbewachsenen Ufer lag das kleine Motorboot unseres Gastgebers, der uns ein wenig außerhalb von Puno abholte. Langsam tuckerten wir los, raus auf den See. Gekonnt lenkte er die Nussschale dabei durch die Wasserstraßen, die inmitten der mächtigen Schilfflächen als einzige nicht bewachsen sind. Eine erste kleine Hütte und ein Schild deuteten darauf hin, dass wir Uros erreicht hatten. Dahinter, auf einer handvoll größerer und kleinerer Inseln verteilt, erstreckte sich das Dorf. Nur wenige Momente später legten wir an, betraten vorsichtig den wackligen Untergrund und bezogen unsere kleine Hütte. Fast alles dort besteht aus dem bereits angesprochenen Schilf, weshalb es eine so wichtige und im wahrsten Sinne "tragende" Rolle im Leben der Einheimischen spielt. Gekreuzte Lagen des Schilfs bilden die Inseln, die früher bei drohender Gefahr ganz einfach von den Verankerungen gelöst wurden, um raus auf den See, in Sicherheit, zu treiben.

Die Gastgeberfamilie lebt auf derselben Insel und sorgte sich den ganzen Tag um unser Wohl. Besonders die achtjährige, neugierige Geraldine, hatten wir schnell in unser Herz geschlossen. Neben der Schule, die sich ebenfalls auf dem See befindet, ist sie schon vollständig in den Familienbetrieb integriert und kümmerte sich unter anderem um Abwaschen, Kochen oder Bedienen. Als sie uns dabei beobachtete, wie wir am Laptop Bilder und Videos sortierten, kletterte sie auf Lauras Schoß und wollte alles zu unserer Reise wissen.

Während unserer Zeit auf der Insel besuchten wir ein kleines Museum und fuhren mit dem Boot tief in die Schilffelder, um das kostbare Gut dort zu ernten. Dabei lernten wir, dass das Schilf nicht nur als Baumaterial dient, sondern auch teilweise essbar ist. Die restliche Zeit aßen wir frische Forelle aus dem See und genossen die Sonne.

Nachts allerdings wurde es aufgrund der Höhe bitterkalt, sodass wir uns unter die insgesamt sechs Decken in unserem Bett verkrochen.

Wir waren wirklich beeindruckt wie ursprünglich die Familien weiterhin auf dem See wohnen und den Jahrhunderten alten Traditionen der Inka folgen.







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