• Laura Enderlin

Cusco - Zentrum des ehemaligen Inka Reichs & heutige Touristenhochburg

Als geographischer Mittelpunkt des Inkareichs, bildete die Stadt Cusco, mitten in den Anden das Zentrum der ehemaligen Herrschaft. Auch heute noch sind zahlreiche archäologische Stätten innerhalb und außerhalb der Stadt gut erhalten und zeigen die bereits weit entwickelte Bauweise dieser Hochkultur. Mit diesem Erbe gilt Cusco als Kulturhauptstadt des Landes. Voller Vorfreude auf diese besondere Stadt und den dort geplanten Besuch des Weltwunders Machu Picchu stiegen wir in Puno am Titikaka See in den Bus. Wir hatten den Fehler gemacht und eine günstigere Busfahrt am Tag statt den Touri-Bus über Nacht gebucht. Das bekamen wir direkt zu spüren: abgesehen von der fehlenden Klimaanlage wurde der Bus über den letzten Platz hinaus vollgepackt, sodass die Leute sogar im Gang auf dem Boden saßen. Nach mehreren längeren Pausen, teilweise weil unterwegs wohl der Tank leer war, kamen wir nach neun langen Stunden endlich an.

Die Stadt selbst konnte uns leider nicht wie erwartet in ihren Bann ziehen. Dafür war uns das Ganze leider viel zu touristisch aufgezogen und wir wurden am laufenden Band von Tour-Anbietern, Souvenir-Verkäufern und Restaurantbesitzern bedrängt.

Um Cusco herum gibt es viel zu entdecken. Wir buchten zunächst einen Tagesausflug nach Vinicunca, zum berühmten „Rainbow Mountain“. Die Farbenpracht dieses Bergs ist durch die Ablagerung von Sedimenten entstanden, wobei verschiedene Mineralien für die bunte Farbgebung verantwortlich sind. Vor einigen Jahren war dieser Ort nur einer geringen Anzahl besonders ambitionierter Bergsteiger vorbehalten, mittlerweile kann man sich allerdings bis auf die über 5.000 Höhenmeter von einem der Andenpferde tragen lassen. Dementsprechend groß war der Andrang als wir tapfer zu Fuß endlich den Gipfel erreichten. Wir reihten uns ein in die Schlange, um direkt am Aussichtspunkt vorne ein Bild machen zu können. Es war wirklich schade zu sehen, wie überall nur das perfekte Foto mit geschmückten Lamas & Alpakas im Vordergrund stand und kaum jemand die Schönheit der bunten Bergspitze wirklich würdigte.


Zurück in Cusco wartete am Abend ein ganz besonderer Teil der Inka Kultur auf uns: auf dem Speiseplan stand im Ofen gebratenes Meerschweinchen, im Spanischen „Cuy“ genannt. Dieses Gericht gilt in Peru als Delikatesse und wird nur zu besonderen Anlässen wie z.B. Hochzeiten oder Geburtstagen serviert. Das Restaurant welches wir uns ausgesucht hatten, war darauf spezialisiert, aus diesem Gericht für Touristen ein wahrhaftiges Erlebnis zu machen. Wir bekamen die Meerschweinchen gebraten und am Stück inklusive Kopf und albernen Hüten serviert. Als der Kellner uns aufforderte, für ein Foto dazu passende Hüte anzuziehen, kamen wir uns doch etwas komisch vor. Trotz des makaberen Beigeschmacks musste ich lauthals loslachen, so dämlich kam ich mir vor, mit dem gerösteten Meerschweinchen auf meinem Teller im Partnerlook zu sein. Geschmacklich war das Ganze nicht so der Bringer, es war wenig Fleisch und die Haut war zwar knusprig gebraten, aber zäh wie Leder.


Die Ruinenstadt Machu Picchu liegt etwa 80km entfernt von Cusco, mitten in den Anden. Um in die kleine Stadt Aguas Calientes, am Fuß des gleichnamigen Bergs Machu Picchu zu gelangen, gibt es gefühlt tausend verschiedene Optionen. Ich hatte viel Zeit und Mühe investiert, die für unser Budget und unsere Zeitplanung passende Variante rauszusuchen und das richtige Ticket für den Eintritt zu finden. Von geführten Wandertouren bis hin zu Komplett-Paketen inklusive Hotelübernachtung wird wirklich alles angeboten. Wir entschieden uns aus Zeitgründen gegen eine der mehrtägigen Wanderungen auf dem bekannten Inka Trail und auch die teure Zugfahrt war für uns keine Option. Also packten wir unsere Tagesrucksäcke und fuhren einen Teil der Strecke für 7 Stunden mit dem Bus, um anschließend den Rest für 2 Stunden zu Fuß entlang der Bahngleise zurückzulegen. Verglichen zu den Rainbow Mountains, liegt Machu Picchu auf „nur“ 2.430 Höhenmetern und daher ist es auch überhaupt nicht so kalt wie wir erwartet hatten. Ganz im Gegenteil: die Inka-Stätte liegt am Beginn des Amazonas Regenwaldes, weshalb das Klima eher tropisch ist. Wir wurden auf unserer kurzen Wanderung auf jeden Fall mehr von Moskitos gefressen, als dass wir gefroren hätten. In Aguas Calientes angekommen, wurde uns bewusst dass dieser Ort komplett vom Tourismus rund um Machu Picchu lebt: Hotels, Souvenirshops und Restaurants drängen sich dicht an dicht. Um mit möglichst wenig Touristen gleichzeitig die Inca-Stadt zu besichtigen, hatten wir Tickets für den ersten Einlass am nächsten Morgen um 06:00 Uhr gekauft. Also gingen wir nach einem ausgiebigen Abendessen früh ins Bett und stellten aufgeregt den Wecker auf 04:00h.

Wir hatten beschlossen auch hier nochmal Geld zu sparen und nicht mit dem Bus zum Eingang der Ruine hochzufahren, sondern die Strecke zu Fuß zurückzulegen. Um keine Zeit zu verlieren frühstückten wir unterwegs und kamen um kurz nach 06:00 Uhr genau pünktlich, aber auch völlig nass geschwitzt oben an. Aktuell werden täglich 3.500 Besucher zu verschiedenen Uhrzeiten eingelassen, vor der Pandemie waren es sogar mehr als 7.000 Besucher täglich.

Um Machu Picchu zu besichtigen gibt es drei verschiedene Ticket Kategorien: das „Machu Picchu Only Ticket“, welches nur den Besuch der Inka Stadt beinhaltet und zwei verschiedene Tickets welche zusätzlich das Besteigen eines der umliegenden Berge erlauben. Um das meiste aus unserem Besuch herauszuholen, hatten wir uns mit 80€ p.P. das teuerste Ticket für Machu Picchu und den danebenliegenden Berg Huayna Picchu gekauft. In der Schlange zum Einlass buchten wir uns außerdem noch einen privaten Guide, damit wir auch wirklich alles über die Ruine erfahren würden. Maria fragte uns auch direkt nach unserer Ticket-Kategorie und erklärte uns, dass als COVID-Maßnahme die Laufwege innerhalb der Stadt nach Ticket-Kategorien aufgeteilt wurden. Unser Ticket berechtigte zwar zur Wanderung auf den nahegelegenen Berg, der klassische Postkarten-Aussichtspunkt sollte aber nicht inbegriffen sein. Wir waren also noch bevor wir die Ruine überhaupt betraten schon mächtig enttäuscht und überlegten wie wir das Problem denn nun lösen könnten. Maria versuchte uns zu helfen und mit den Leuten am Einlass zu sprechen, doch diese verwiesen nur auf ihren Manager, der erst in einer Stunde vor Ort wäre. Also beschlossen wir zunächst alles andere zu genießen und am Ende nochmal am Einlass mit dem Manager zu sprechen.

Die Stadt inmitten der Berge wurde von den Inka als heilige Residenz für ihren Herrscher, den Sohn der Sonne angesehen. Sie wurde für Zeremonien und Rituale genutzt und beherbergt verschiedene Tempel. Außerdem wurde bei ihrer Errichtung die Formen und Ausrichtung der umliegenden Berggipfel zur Sonne berücksichtigt. Die Fenster im Sonnentempel sind beispielsweise so platziert, dass das erste Licht am Tag der Sommersonnenwende, direkt auf den Altar im Inneren fällt. Neben den ehemaligen Gebäuden sind vor allem die für die Landwirtschaft genutzten Terrassen charakteristisch für Machu Picchu. Wir waren schwer beeindruckt von der Kulisse und genossen die mystische Atmosphäre, mit den Nebelschwaden, die sich am frühen Morgen durch die Stadt zogen. In diesem Moment konnten wir gut nachvollziehen, warum die Stadt zu einem der neuen sieben Weltwunder gewählt wurde. Nach einer anstrengenden Wanderung zum Gipfel des Huayna Picchu und ausführlichen Erklärungen von Maria zum Leben der Inka in der Stadt versuchten wir unser Glück nochmal am Einlass. Nachdem Maria sich geschlagene 5 Minuten lang nicht abwimmeln lassen hatte und in Diskussionen mit dem Manager gegangen war, hatte sie tatsächlich ihr Ziel erreicht: wir durften zumindest für ein paar schnelle Fotos zum Aussichtspunkt. Wir waren überglücklich und genossen jede einzelne Sekunde, in der wir die Stadt nochmal von oben sehen konnten. Nach der Aufregung und der Anstrengung der beiden Wanderungen gönnten wir uns für die Rückfahrt den Bus zurück in die Stadt und waren dann heilfroh, dass wir den Zug zurück nach Cusco gebucht hatten.

Zurück in Cusco blieb uns noch Zeit, bevor unser Flug nach Lima ging. Wir fuhren also mit dem Colectivo ins "Heilige Tal", um dort die Nacht zu verbringen. Wir besichtigten die Inka-Ruine Moray, welche aus kreisförmigen Terrassen besteht, die teilweise 70 Meter tief sind. Es wird vermutet, dass die Inka hier versuchten zu verstehen, wie unterschiedliches Klima das Wachstum von Pflanzen beeinflusst.

Unsere zweite Station waren die Salzminen von Maras, in welchen auch heute noch pinke Salzkristalle abgeschöpft und verarbeitet werden. Die kleinen Becken bieten mit ihrer Anordnung über und nebeneinander im Hang ein beliebtes Fotomotiv.







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