• tizianwagner

Bangkok, Chiang Mai & Besuch aus der Heimat

Bangkok mag man oder man tut es nicht, dazwischen gibt es nicht viel. So oder so ähnlich hat sich jeder Blog-Beitrag oder Reisebericht angehört, den wir im Vorfeld gelesen hatten. Nicht zuletzt deshalb waren wir gespannt, wie uns Thailands Hauptstadt gefallen würde, als wir morgens um sieben vom Nachtbus in ein Taxi stiegen, das uns in unsere Unterkunft brachte. Wir hatten uns in einem kleinen Hotel eingenistet, mitten im Herzen der pulsierenden Metropole. In etwa 15 Millionen Menschen leben in und um Bangkok, was sie nach Manila und Jakarta zur drittgrößten Stadt in Südostasien macht.


Am Tag unserer Ankunft erholten wir uns zunächst von der anstrengenden Busfahrt und erkundeten die Gegend rund um unser Hotel. Abends machten wir uns auf den Weg nach Chinatown, um uns an den unzähligen Garküchen entlang der Straßen durch zu probieren. Die belebte Hauptstraße war zum Teil für die Fußgänger, die sich um die Essensstände versammelten, abgesperrt. Die riesigen bunten Schilder mit chinesischen Schriftzeichen die an den Fassaden hingen, ließen das ganze Stadtviertel taghell erscheinen. Als eine der wenigen, zumindest europäisch aussehenden Touristen, schoben wir uns durch die Menge und begutachteten die thailändischen und chinesischen Spezialitäten. Genau so hatten wir uns eine asiatische Großstadt vorgestellt. Überall hörte man wie Gemüse, Fleisch oder frische Meeresfrüchte in heißem Fett gebraten wurden, bis große Flammen über den Wok-Pfannen aufloderten und Mixer frische Fruchtshakes zubereiteten. Intensive Gerüche krochen in unsere Nasen und die Verkäufer priesen lautstark ihre Gerichte an. Beim Anblick von frisch gefangenem Fisch, Krebsen und Garnelen oder den knusprig gebratenen Enten, die seitlich an den Ständen hingen, lief vor allem mir das Wasser im Mund zusammen. Laura hatten es vor allem die wahlweise gedämpften oder frittierten, mit Gemüse und verschiedenem Fleisch gefüllten Teigtaschen "Gyoza" angetan. Bei diesem einen Besuch in Chinatown sollte es nicht bleiben, insgesamt drei mal aßen wir dort zu Abend.

Überhaupt gehören wir ganz klar zu den Personen die von Bangkok hellauf begeistert sind. Auch wenn Corona hier deutlich seine Spuren hinterlassen hat und viele Geschäfte noch geschlossen waren (wie zum Beispiel die berühmte Khao San Road), fühlten wir uns im Trubel der Stadt sehr wohl. Für umgerechnet gerade einmal 50 Cent, kann man sich mit dem Wassertaxi von A nach B chauffieren lassen und dabei berühmte Wahrzeichen der Stadt ganz bequem vom Boot aus beobachten. Zwei der unzähligen Tempelanlagen schauten wir uns genauer an: den Tempel der Morgendämmerung (Wat Arun), eine unglaublich schöne Anlage, mit einem 75 Meter hohen und mit Porzellankacheln überzogenen Turm und den Tempel des liegenden Buddhas (Wat Pho), der wie man am Namen unschwer erkennen kann, eine gigantische liegende Buddha Statue beherbergt.

Nur ein Gebäude oder besser ein Gebäudekomplex übertrifft die prunkvollen Tempelanlagen. Der Königspalast "Wat Phra Karo". Er besteht aus über 100 Gebäuden unterschiedlicher architektonischer Stile, darunter zwei Thronhallen, das Palastgebäude, der Tempel des Smaragdbuddhas und viele mehr.


Neben diesen historischen und kulturellen Höhepunkten ließen wir es uns nicht nehmen, kurz in die moderne Welt der Schönen und Reichen von Bangkok einzutauchen. In der Rooftop-Bar des Lebua State Towers, die vielen durch den Film "Hangover 2" bekannt ist, gönnten wir uns jeweils einen 30€ Cocktail, nur um die gigantische Aussicht auf die nächtliche Skyline der Stadt geniessen zu können.

Nicht nur unsere Neugier hatte uns nach Bangkok geführt, sondern ein ganz besonders freudiges Ereignis. Wir erwarteten nämlich Besuch. Unsere gemeinsame ehemalige Arbeitskollegin und Freundin Sarah, landete in Bangkok um uns drei Wochen lang zu begleiten. Wir waren voller Vorfreude ein bekanntes Gesicht und auch ein Stückchen Heimatgefühl begrüßen zu können. Nach ihrer ersten Nacht im Quarantäne-Hotel und negativem "on Arrival" Coronatest-Ergebnis trafen wir uns bei ihr im Hotel. Sarah war schon einmal in Bangkok gewesen, weshalb wir uns im Vorfeld entschieden nach ihrer Ankunft weiter in den Norden zu reisen. Für den Abend hatten wir Tickets für den Nachtzug nach Chiang Mai im Norden Thailands gebucht und somit noch den ganzen Tag zur Verfügung. Wir beschlossen uns den Markt von Maeklong anzuschauen, der etwa eine Stunde außerhalb von Bangkok liegt. Der Markt erlangte große Bekanntheit durch die Tatsache, dass er entlang der Bahngleise aufgebaut ist. Jedes mal wenn ein Zug in des kleine Städtchen einfährt, klappen die Standbesitzer ihren Sonnenschutz ein und schieben die auf Rollen gebauten Tische beiseite. Leider verpassten wir den Zug selbst, da die Fahrzeiten aufgrund der Pandemie auf ein Minimum reduziert wurden.


Mit unseren Rucksäcken bepackt betraten wir abends den Bahnhof im Zentrum Bangkoks, auf der Suche nach unserem Nachtzug. In unserem Abteil angekommen verstauten wir unser Gepäck und machten es uns auf unseren Plätzen bequem. Wir begannen zu rätseln, wie aus diesem herkömmlichen Wagon ein Schlafwagen werden sollte. Keine halbe Stunde später wurden wir dann Zeuge, wie einer der Mitarbeiter mit geschickten Handgriffen die Sitzbänke und Deckenklappen zu Etagenbetten umfunktionierte, die deutlich komfortabler aussahen wie erwartet.

Als wir es uns in unseren Kojen eingerichtet hatten, machten Laura und ich uns über eines der Mitbringsel von Sarah her. Wir hatten sie darum gebeten uns ein paar Leckereien von zu Hause mitzubringen, die wir besonders vermissen. Laura entschied sich für Lebkuchen, ich für Landjäger (aber nur weil Wurstsalat logistisch für Sarah kaum zu meistern gewesen wäre). Wir verdrückten also genüsslich jeder einen mit Schokolade überzogenen Lebkuchen um zumindest ein wenig die Vorweihnachtsstimmung in der Heimat nachempfinden zu können.


Chiang Mai liegt im Nordosten von Thailand nicht unweit der Grenze zu Myanmar. Der bergige Norden des Landes ist bekannt für die landschaftliche Schönheit. Wir hatten über AirBnB ein kleines Apartment im historischen Zentrum der Stadt gebucht. Dieses Zentrum ist quadratisch angelegt und umgeben von einem Wassergraben. An einigen Stellen sind auch heute noch Reste der alten Stadtmauer erhalten. Wir hatten besonderes Glück, da ich eine Bekannte aus Lörrach habe (Anna), die mittlerweile schon einige Jahre in Chiang Mai lebt. Sie versorgte uns vorab mit einer ganzen Liste an Restaurant- und Cafè-Empfehlungen und Tipps für Ausflüge und Sehenswürdigkeiten.

Zu Fuß erkundeten wir das Stadtzentrum, schlenderten über den Nachtmarkt und ließen uns, nachdem Laura und Sarah alle Register ziehen mussten um mich zu überzeugen, in einem Spa durchkneten. Um etwas mobiler zu sein, liehen wir Roller aus und fuhren zum Tempel Doi Suthep der am Rande der Stadt auf einem Hügel liegt. Von dort kann man neben der schönen Tempelanlage einen wahnsinnigen Ausblick auf Chiangmai und die umliegende Landschaft genießen. Für einen Ausflug zum Nationalpark Doi Inthanon, in dem der höchste Berg des Landes zu finden ist, mieteten wir uns ein Auto. Ich war gespannt wie ich mit dem Linksverkehr zurecht kommen würde. Mit dem Roller ist es ja eine Sache, aber mit einem Auto? Tatsächlich war es dann wesentlich einfacher als gedacht, lediglich beim Versuch zu Blinken betätigte ich immer wieder zuerst den Scheibenwischer. Im Nationalpark selbst hatten wir etwas Pech mit dem Wetter. Eine dichte, tief hängende Wolkendecke verdeckte die versprochene, spektakuläre Aussicht. Abends trafen wir uns mit Anna und ihrem Freund Dexter, der aus Chiang Mai stammt. Sie luden uns in ein Restaurant mit authentischer nordthailändischer Küche ein. Dexter bestellte die halbe Karte, sodass unser Tisch übersäht war mit Schüsseln, Tellern und Schalen. Neuigierig pieksen wir mit unseren Gabeln kreuz und quer in die unterschiedlichsten Gerichte.

Nach ausführlicher Recherche und mit Annas Hilfe entschlossen wir uns, den Elephant Nature Park zu besuchen. Diese Tierschutzeinrichtung liegt rund 60km nördlich von Chiang Mai und kümmert sich um Elefanten, die aufgrund verschiedenster Schicksale hier landen. Die meisten wurden entweder zu harter Arbeit gezwungen oder mussten in Shows oder beim Elefantenreiten für Touristen herhalten. Das Ergebnis dieser Misshandlungen sind teils schwerwiegende und bleibende körperliche Schäden, wie beispielsweise Hüftschäden oder Erblindung. Zusammen mit einer Mitarbeiterin der Einrichtung liefen wir über das riesige Areal, in dem sich die Elefanten frei bewegen dürfen, während sie uns die Elefanten vorstellte und deren Geschichten erzählte. Jeder Elefant hat einen persönlichen Betreuer, der jeden Tag mit den Tieren verbringt um ein enges und vertrauensvolles Verhältnis aufzubauen. Je nach Sympathie leben die Dickhäuter in unterschiedlich großen Gruppen zusammen. Lediglich die Bullen sind in großzügigen Einzelanlagen untergebracht. Leider gibt es in ganz Thailand immer noch Freizeitparks die Elefantenreiten oder das Baden mit Elefanten anbieten und in denen die Tiere in unwürdigen Verhältnissen leben. Dank der Arbeit von Organisationen wie dieser, werden immer mehr Elefanten aus solch widrigen Umständen befreit.

Wir waren dankbar diesen beeindruckenden Tieren auf respektvolle Art und Weise nahe gekommen zu sein und gleichzeitig die Einrichtung zu unterstützen.


Von Chiang Mai aus planten wir einen mehrtägigen Ausflug: den Mae Hong Son Loop.

Diese beliebte Strecke startet und endet in Chiang Mai und führt durch das Aussteiger Dörfchen Pai und durch Mae Hong Son. Man fährt durch die grünen Hügel des thailändischen Hochlandes, vorbei an Wäldern und malerischen Reisfeldern.

Wir hatten dafür erneut Roller gemietet, die aber wohl ihre besten Tage schon hinter sich hatten. Trotzdem machten wir uns auf den Weg, jeder nur mit einem kleinen Rucksack im Gepäck. Abwechselnd fuhren zwei auf dem einen und einer alleine auf dem anderen Roller. Nach den ersten 60 Kilometern mussten wir uns aber eingestehen, einen kleinen Fehler bei der Navigation gemacht zu haben (eigentlich Aufgabe der beiden Mädels). Wir starteten den Rundweg in die falsche Richtung, was eigentlich nicht weiter schlimm war, aber bedeutete, dass wir am letzten Tag die längste Strecke mit etwa 250 km zurück legen mussten. Wir entschieden uns dennoch nicht umzudrehen und fuhren weiter. Hoch und runter und mit engen Kurven schlängelt sich die Straße durch die grüne Landschaft und wir genossen die warme Sonne und den kühlen Fahrtwind. Immer wieder hielten wir an Aussichtspunkten an, bis wir dann am späten Nachmittag Pai erreichten. Wie bereits erwähnt, besonders beliebt bei Aussteigern und etwas salopp formuliert: Hippies. An jeder Ecke findet man hier Cafés, Bars und Restaurants. Mit einem kalten Bier stießen wir zum Sonnenuntergang in einer Bar etwas außerhalb an, bevor wir dann zum kleinen Nachtmarkt gingen um zu essen. In Pai laufen die Uhren etwas anders und man bekommt den Eindruck, als spielen die Probleme der restlichen Welt hier keine große Rolle. Der zweite Teil der Strecke war zwar deutlich kürzer aber nicht weniger schön.

Wir waren noch keine halbe Stunde in unserem Guesthouse in Mae Hong Son angekommen, als wir uns schon wieder auf den Weg zu den Hot Springs machten.

Es dauerte eine ganze Weile bis wir uns trauten in das Becken mit 55 Grad heißem Wasser zu klettern. Nachdem wir uns daran gewöhnt hatten, stellten wir fest, wie dankbar unser geschundenes Sitzfleisch für das wohltuende Bad war. Im Guesthouse erwartete uns eine kleine Überraschung. Die Besitzerin hatte Geburtstag und lud uns kurzerhand zum Essen ein. Der Grill war vollgepackt mit verschiedenen Spießen und auch die anderen Gäste der Unterkunft saßen schon am Tisch. Wir hatten einen feucht fröhlichen und wahnsinnig witzigen Abend.


Den Abschluss unserer kleinen Tour hatten wir uns dann aber etwas anders vorgestellt. Aber der Reihe nach. Wir starteten früh am nächsten Tag da wir schließlich eine knackige Strecke vor uns hatten. Auf dem Weg zurück nach Chiang Mai hielten wir an den Blumenfeldern von Thung Bua Tong um das gelbe Blumenmeer zu bewundern. Kurz danach passierte es dann aber: an einer sandigen Stelle der Straße sah Laura ein großes Schlagloch zu spät kommen und stürzte bei dem Versuch auszuweichen. Bis auf einige Schürfwunden und eine zerrissene Hose ist ihr zum Glück nichts weiter passiert. Nachdem wir die aufgeschürften Hände und Knie versorgt hatten, fuhren wir weiter in das nächste Dorf. Bis nach Chiang Mai waren es nochmal 150 km und mittlerweile war es schon spät am Nachmittag. Wir entschieden uns deshalb, einen Fahrer zu organisieren der uns und die beiden Roller zurück bringen sollte. Zum ersten Mal war ich froh, dass unsere Roller schon davor recht mitgenommen aussahen, sodass die neuen Kratzer überhaupt nicht auffielen. Allerdings schafften wir es aufgrund der Verzögerung nicht rechtzeitig zurück, um die beiden Gefährte abzugeben. Da wir für den nächsten Tag schon früh einen Flug in den Süden gebucht hatten, war das ein Problem. Schließlich kontaktierte ich Dexter, der uns schon bei unserem ersten Treffen anbot uns zur Seite zu stehen sollten wir einmal Schwierigkeiten haben. Ich hätte nicht gedacht, dass das schon wenige Tage später der Fall sein sollte. Er diskutierte mit dem Vermieter so lange, bis wir gegen eine kleine Gebühr die Roller um fünf Uhr früh am nächsten Morgen abgeben konnten. Die Vermieter haben, wie bereits vermutet, von den Auswirkungen des Sturzes an ihren Schrottmühlen nichts mitbekommen.








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