• tizianwagner

Fullmoonparty & Weihnachten auf Thailands bekanntesten Inseln

Einmal quer durch Thailand ging es für uns als wir von Ko Lanta nach Ko Samui fuhren. Von der Westküste an der Andamanensee, zur Ostküste am Golf von Thailand. Das klingt jetzt natürlich wie eine halbe Weltreise, war aber aufgrund von Thailands Form, lediglich eine knapp vierstündige Fahrt mit einem Van, mit anschließender einstündiger Überfahrt per Fähre. Ko Samui und die Nachbarinsel Ko Phangan gehören wohl zu den bekanntesten und beliebtesten Urlaubsorten in ganz Thailand. Nicht zuletzt deshalb haben wir uns dazu entschieden, auf Phangan Weihnachten zu verbringen.


Auf Ko Samui wurden wir zum ersten Mal auf unserer bisherigen Reise Zeuge, welchen ökonomischen Schaden Corona anrichten kann. Die sonst so lebhafte Insel war größtenteils ausgestorben und unzählige Restaurants, Unterkünfte und Geschäfte sind nicht nur geschlossen, sondern teilweise richtig verwahrlost. Aufgrund der strengen Corona-Schutzmaßnahmen, die Thailand seit dem Beginn der Pandemie verabschiedete, sind besonders die Orte betroffen, die quasi vollkommen auf den Tourismus ausgelegt sind: siehe Samui. Ich verglich es manchmal damit, als befänden wir uns in einem riesigen Freizeitpark, der pleite gegangen ist. Von allen Seiten wurden uns auf ausgeblichenen Werbeplakaten Freizeitaktivitäten angeboten wie Wasserparks, Shooting Ranches, Schlangenfarmen oder Jetski fahren. Die Infrastruktur ist darauf ausgelegt tausende Touristen zu beherbergen und zu belustigen. Das machte es für unseren Besuch schwierig. Zwar konnten wir die zahlreichen, traumhaften Strände mit nur einer Handvoll anderer Menschen genießen, aber viel mehr gab es nicht zu tun. Aufgrund der Tatsache, dass sich auf der Insel in der Regel alles darum dreht, den Menschen einen besonders aufregenden Urlaub zu bieten, konnten wir nur wenig authentische Erfahrungen machen. Wir fuhren mit dem Roller einige Tempel, Aussichtspunkte und Wasserfälle ab, wo man aber bei jeder Gelegenheit versuchte, zumindest ein paar Baht mit uns zu verdienen.


Wir entschlossen uns unseren Aufenthalt auf Ko Samui zu verkürzen und schon einen Tag früher auf die benachbarte Insel Ko Phangan überzusetzen. Mit dem Speedboat erreichten wir Phangan in nur einer halben Stunde und wurden mit dem Taxi in unsere Unterkunft am berühmten Haad Rin Beach gebracht. An diesem Strand findet alle vier Wochen, zum Vollmond um genau zu sein, die legendäre Fullmoon Party statt. Nicht ganz zufällig sollte die zweite Party nach der Pandemiepause, genau während unseres Aufenthaltes stattfinden. Wir wohnten in einem Bungalow direkt am Strand wo sich normalerweise zum Vollmond über 30.000 Menschen versammeln, mit leuchtenden Farben bemalen und bis in die Morgenstunden feiern. Wir waren doch schon etwas aufgeregt, hatten wir seit Montañita in Ecuador nicht mehr richtig auf den Putz gehauen. Natürlich konnte die Party aufgrund von Corona nicht im normalen Umfang stattfinden, aber immerhin wurden ca. 3.000 Feierwillige erwartet. Über die Reiseplattform "Find Penguins" hatten wir schon in den vorherigen Wochen Kontakt zu einem deutschen Paar, das ebenfalls zu einer Weltreise aufgebrochen war. Unsere Wege sollten sich dann am Tag der Fullmoonparty kreuzen. Wir trafen uns mit Rainer und Majorlein bei uns im Hotel Restaurant um eine Kleinigkeit zu essen und, wie es sich für eine richtige Feier gehört, vorzuglühen. Wir waren uns gleich von Beginn an sehr sympathisch und unterhielten uns über unsere Reisen und wie wir zum Entschluss gekommen waren unserem geregelten Leben in Deutschland eine Pause zu gönnen. Die beiden waren erst vor eineinhalb Monaten aufgebrochen und Thailand ihre erste Station. Kurz bevor wir zum Strand loszogen, gesellten sich noch Niklas und Philipp zu uns. Die beiden machten zusammen in Thailand Urlaub und hatten Majorlein und Rainer beim Tauchen auf Ko Tao kennen gelernt.


Trotz deutlich reduziertem Umfang der Party, konnten wir alle typischen Fullmoon-Erfahrungen machen. Seilhüpfen mit brennendem Seil, Eimer-Saufen und Körperbemalung mit Leuchtfarbe, wobei ich bei letzterem mit der künstlerischen Leistung nicht ganz so zufrieden war. Anstatt eines, in bunten Farben leuchtenden Skeletts meines Armes, malte mir der Gute eher an ein Stück Treibholz erinnernde "Knochen" auf den Arm. Ich ertränkte meine Enttäuschung in einem weiteren Eimer Wodka-Energy, wodurch meine schlechte Laune nicht lange anhielt. Wir hatten alle zusammen einen wirklich unfassbar lustigen Abend, was der gigantische Kater am nächsten Morgen bestätigte. Die darauffolgenden Tage verbrachten wir zusammen in unserer kleinen Gruppe und zogen vom Strand in das Dschungel-Bungalow Resort von Majorlein und Rainer um. Mit Rollern fuhren wir um die Insel und schlemmten uns durch die vielen Food-Markets.


Weihnachten stand vor der Tür und wir vor einer großen Herausforderung. Schon lange fürchteten wir uns vor den Feiertagen. Wir waren bisher größtenteils von Heimweh verschont geblieben, aber wir beide spürten, dass sich das an Heiligabend, wenn unsere Familien zu Hause zusammen feierten, ändern könnte. Und tatsächlich floß dann bei den Videoanrufen auch die ein oder andere Träne.

Um dem Ganzen entgegen zu wirken, versuchten wir händeringend ein Restaurant zu finden, welches ein Weihnachts-Dinner anbietet, um selbst auch ein wenig in Stimmung zu kommen. Es wollte uns aber einfach nicht gelingen. Entweder waren die Restaurants die in Frage gekommen wären geschlossen oder bereits ausgebucht. Nachdem das Frustrationslevel sein Maximum erreichte, mussten wir uns eingestehen, dass egal mit welcher Anstrengung, uns ein vergleichbares Fest, wie wir es von zu Hause kennen, ohnehin nicht gelingen würde. Also aßen wir ganz normal zu Abend und ließen den besonderen Tag mit Majorlein und Rainer in einer Cocktailbar ausklingen.


Diese Erfahrung gehört zweifelsohne zu den intensivsten auf unserer Reise, auch wenn sie nicht unbedingt positiv war. Schon wenige Tage später als uns nur noch die Reste der kitschigen Weihnachtsdeko an das Fest der Liebe erinnerte, waren wir wieder hoch motiviert uns in die nächsten Abenteuer zu stürzen.




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