• tizianwagner

Karibisches Flair in Puerto Viejo

Um in den Küstenort Puerto Viejo an der karibischen Seite des Landes zu gelangen, nahmen wir den wohl längsten Reisetag unseres bisherigen Aufenthalts in Costa Rica in Kauf.

Über 14 Stunden waren wir mit Boot und Bus unterwegs. Vom Pazifik über die Hauptstadt San José, bis rüber zum Atlantik. In unserem Hostel angekommen fielen wir nach einer dringend notwendigen Dusche, völlig erschöpft in unsere Betten in einem 10er Schlafsaal.

Dabei konnte uns nicht einmal die Katze des Hostels wirklich stören, die sich in einem der Betten breit gemacht hatte und die halbe Nacht laut miaute.

Am nächsten Morgen lernten wir das unbeständige, karibische Wetter kennen. Bei über 30 Grad ergossen sich ohne Gnade in regelmäßigen Abständen tropische Regenmassen. Etwas eingeschüchtert entschieden wir uns gegen große Unternehmungen und lieber dafür, den Tag für Organisatorisches zu nutzen und um Puerto Viejo besser kennen zu lernen.

Laute Bob Marley Musik ertönte aus einem Stand mit exotischen Früchten, ein Rastafari mit breitem Grinsen kreuzte unseren Weg auf seinem Fahrrad und Palmen säumten die Straßen. Wir spürten das karibische Flair sofort bei unserem Sparziergang durch die Gassen von Puerto Viejo. Auch die lokale Küche ist von karibischen Einflüssen geprägt. Wir begriffen schnell weshalb der Ort bei Touristen beliebt ist und einige hier buchstäblich stranden. Unser Hostel war nicht gerade stark besucht, weshalb wir uns schnell mit den zwei anderen Gästen anfreundeten, die beide längere Zeit alleine auf Reisen sind: Carsten aus Deutschland und Xavi aus Spanien.

Mit den beiden ließen wir den doch eher ruhigen Tag in einer Strandbar ausklingen.

Voller Tatendrang machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg. Für umgerechnet 4€ p.P. liehen wir uns für den ganzen Tag Fahrräder, um Richtung Süden in das Naturschutzgebiet Manzanillo zu radeln. Ohne Gangschaltung und nur mit Rücktrittbremse ging es 15 km die Küstenstraße entlang, vorbei an Palmen und Stränden, kleinen Hotelanlagen und Surfschulen.

Das Naturschutzgebiet selbst ist nicht besonders groß und besteht hauptsächlich aus einem Strandabschnitt mit angrenzendem Wald. Durch die starken Regenfälle waren viele Wege kaum passierbar und so hatten wir nach nur knapp zwei Stunden mit matschigen Flipflops schon wieder den Ausgang erreicht. Nach einer kleinen Stärkung in einem Soda machten wir uns auf den Rückweg. Am Playa Cocles, einem traumhaften Strand nur wenige hundert Meter von Puerto Viejo entfernt, hielten wir um uns in die Wellen zu schmeißen. Abends waren wir mit einem jungen Paar aus Bern zum Abendessen verabredet, die für drei Monate durch Mittelamerika reisen. Wir hatten sie über das Reisenetzwerk FindPenguins kennen gelernt. Es war ein toller Abend bei dem wir uns über unsere Erlebnisse in Costa Rica austauschten und uns über unsere nächsten Reiseziele unterhielten.

Carsten aus unserem Hostel begleitete uns am darauffolgenden Tag in den Cahuita Nationalpark, der zwischen Puerto Viejo und Limón liegt. Mit dem öffentlichen Bus fuhren wir in den gleichnamigen Ort Cahuita. Der Park bittet als Eintritt lediglich um eine Spende und bietet neben karibischen Stränden auch einen sumpfigen Wald der über einen langen Holzsteg durchquert werden kann. Nach der ersten Hälfte des Wanderwegs, der vorrangig am Strand entlang führte, gönnten wir uns ein erfrischendes Bad an einem wunderschönen einsamen Strandabschnitt. Neben Waschbären, Faultieren und Affen, konnten wir auch einen Kaiman und eine Schlange entdecken, die unseren Weg kreuzte. Wie sich im Nachhinein herausstellte war sie zum Glück ungiftig und für Menschen nicht gefährlich.

An unserem letzten Tag besuchten wir das Jaguar Rescue Center, eine Auffangstation für Wildtiere die aus den verschiedensten Gründen dort landen. Wir hatten uns im Vorfeld ausgiebig informiert, um sicher zu sein, dass es sich dabei nicht um einen Touristenmagnet mit Zoocharakter handelt.

In der Auffangstation arbeiten größtenteils Freiwillige aus aller Welt. Ein Guide führte uns durch die Anlage und erklärte wie die Kooperation mit der Regierung aufgebaut ist und wie bei Notfällen mit den Tieren umzugehen ist. Da in der Gegend viele Hochspannungsleitungen nicht ausreichend isoliert sind, handelt es sich bei vielen der Patienten um Affen oder Faultiere, die beim Klettern den Leitungen zu nahe kommen.

Nach ausreichender medizinischer Versorgung werden die Tiere in den meisten Fällen wieder ausgewildert.

Es gibt aber auch einige Bewohner, die aufgrund ihrer schweren Verletzungen und Schäden in der Auffangstation ihre Altersresidenz gefunden haben. Auch der Wildtierhandel sorgt dafür, dass die Organisation nicht arbeitslos wird. Ein Klammeraffe wurde zum Beispiel aus einer dunklen Garage befreit, in welcher er jahrelang gehalten wurde. Nach dem Rundgang hatten wir auf jeden Fall den Eindruck, wirklich eine Auffangstation besucht zu haben, der das Wohl der Tiere am Herzen liegt.

Nach einem letzten gemeinsamen Abendessen mit Carsten und Xavi machten wir uns früh morgens auf den Weg nach Tortuguero.


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